Xaver Franz

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Xaver Franz - BMW

Xaver Franz

Leitung Montage BMW-Werk Dingolfing
BMW

Als Xaver Franz (geb. 1953) im August 2010 neben der Leitung der Montage im BMW-Werk Dingolfing auch die Mentorenschaft für das Gesundheitsprogramm »Heute für morgen« übernahm, war ihm sofort klar, dass auch das Laufen eine wichtige Rolle spielen sollte.

Mit einer Biertischwette hatte 1986 die Laufkarriere des heute passionierten Langstreckenläufers begonnen. Bei einem Sommerbiathlon des heimischen Schützenvereins galt es 2 Kilometer zu rennen. Eine willkommene sportliche Herausforderung für Xaver Franz, der damals als 33-Jähriger zu spüren begann, dass die körperliche Fitness langsam nachließ. Der Staffel-Wettbewerb verlief erfolgreich und die Freude am Laufen war geweckt. Die ersten reinen Laufwettbewerbe folgten 1988 und ein weiteres Jahr später der erste Marathon. Inzwischen blickt der Chef von 6.500 BMW-Mitarbeitern auf 14 Marathons zurück. Und das trotz oder sogar wegen einer 50- bis 70-stündigen Arbeitswoche. Denn er braucht das Laufen um abzuschalten und im Berufs- wie Familienleben fit zu sein.

Schon während seiner Zeit als Chef der Produktion bei Rolls Royce in Goodwood, England hat Xaver Franz das Laufen sowohl als verbindendes als auch gesundheitsförderndes Element eingeführt. Um die ehrgeizigen Produktionspläne umzusetzen, die Produktion wurde von 650 Einheiten im Jahr 2006 auf über 3000 Einheiten im Jahr 2011 gesteigert, wurden über 100 ehemalige BMW-Auszubildende nach England gelotst, mit der Perspektive nach drei Jahren bei Rolls Royce wieder einen garantierten Arbeitsplatz bei BMW in Deutschland zu finden. Der von Xaver Franz neu gegründete »Rolls Royce Running Club« schaffte in dieser Zeit für die Neuankömmlinge ein Angebot ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten, die Integration im neuen Unternehmen zu fördern und die Teambildung zu unterstützen. Mit bis zu 30 Läuferinnen und Läufern traf man sich zum Firmenlauftreff und nahm auch regelmäßig an Wettläufen auf der Insel teil.

Auch im BMW-Werk in Dingolfing übernahm er mit Arbeitsantritt gleich die Mentorenschaft für einen Lauftreff. Zu diesem kommen regelmäßig 10 bis 30 Teilnehmer. Deutlich mehr nahmen 2011 am Dingolfinger Halbmarathon teil. Über Laufdistanzen zwischen 5 und 21 Kilometer starteten über 300 BMW-Mitarbeiter. Warum das Laufen für ihn persönlich, aber auch als betriebliche Gesundheitsmaßnahme bei BMW, zukünftig weiter wichtig sein wird, verriet Xaver Franz im Interview mit Andreas Butz.

 

Andreas Butz: Herr Franz, England ist bekannt als Heimat attraktiver wie auch manch skurriler Laufevents. Welche Lauferinnnerungen haben Sie an die Insel?
Xaver Franz: Zum ersten an den Santa Fun Run. Das ist ein Lauf, bei dem alle als Nikolaus verkleidet auf einer Pferderennbahn laufen. Der Reinerlös kommt dem Chichester Hospital zugute. Ein weiterer Lauf, den ich immer noch gut in Erinnerung habe, sind die 10-Meilen (16 km) beim sogenannten Great South Run. Dieser führt entlang der Küste und die letzten 2 km kämpfte man massiv gegen den Wind und 2 x gegen starken Regen.

Andreas Butz: Nach bisher 14 Marathons haben Sie sich auch für dieses Jahr wieder einen Marathon und weitere Halbmarathons vorgenommen. Warum reicht ihnen das übliche Lauftraining nicht aus?
Xaver Franz: Ich glaube, man braucht als Freizeitsportler (Läufer) immer ein Ziel, eine Herausforderung. Deshalb versuche ich 1-2 Halbmarathons oder einen Marathon pro Jahr anzustreben. Nach der Anmeldung fällt das Training viel leichter.

Andreas Butz: Sie selbst laufen am liebsten alleine, dennoch schätzen Sie Laufen auch als Teambildungsmaßnahme. Wie kann ich dies verstehen?
Xaver Franz: Ja, zum einen, wenn man allein läuft, braucht man keine Rücksicht auf Termingestaltung und Lauftempo zu nehmen, zum anderen, beim Laufen in der Gruppe kann man sich gut unterhalten und gegenseitig etwas anstacheln. Das Verständnis füreinander wird dadurch auch im Berufsleben gefördert.

Andreas Butz: Das BMW-Gesundheitsprogramm »Heute für morgen« stellt den alternden Mitarbeiter in den Mittelpunkt. BMW bietet Gesundheitsuntersuchungen an und kümmert sich um eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung. Warum fördern Sie auch die Laufbereitschaft ihrer Mitarbeiter?
Xaver Franz: Bei hoher körperlicher und psychischer Belastung ist es auch notwendig, entsprechende Ausgleichsübungen durchzuführen. Der Ausgleich Laufen hilft nicht nur um die Belastungen aus dem Berufsleben zu reduzieren, sondern unterstützt auch den Stressabbau im Privatleben. Von 178 Stunden pro Woche sind die meisten ja nur 35 Stunden in der Arbeit.

Andreas Butz: Laufen ist als Ausgleichssport bei Büroangestellten, also Kopfarbeitern, angesagt. Warum halten Sie Laufen auch für körperlich arbeitende Mitarbeiter in der Produktion für sinnvoll?
Xaver Franz: Die Arbeit an den Montagebändern, die sich im Abstand von 60 bis 90 Sekunden wiederholt, kann sicherlich zu einseitigen Körperbelastungen führen. Ausdauersport und speziell Laufen führt zu einem Ausgleich der Körperbelastung. Gleichzeitig hilft der Ausdauersport das eigene Körpergewicht zu kontrollieren.

Andreas Butz: Zum Abschluss eine Motivationsfrage: Wenn ein 50-jähriger Laufanfänger Sie fragen würde, was ihm später mal die Erfahrung Marathon bringen könnte, wie würden Sie ihn motivieren?
Xaver Franz: Ich kann nur sagen, ich laufe jeden Marathon für mich selbst. Das Gefühl der inneren Befriedigung durch das Marathontor in München im Olympia-Stadion einzulaufen oder der Zieleinlauf vor dem Buckingham-Palast in London ist nicht zu beschreiben. Es ist einfach die Bestätigung der eigenen Leistungsfähigkeit.

Andreas Butz: Herzlichen Dank für das Interview!
Februar, 2012