Ulrich Höller

Ulrich Höller

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Ulrich Höller

Vorstand
DIC Asset AG

„Es gibt nichts Schöneres als morgens zu laufen und voller Energie in die Firma zu fahren!“ Trotz Lauftraining um 6:00 Uhr ist Ulrich Höller, Vorstandsvorsitzender der DIC Asset AG, meist als einer der Ersten im Büro. Der sportliche Top-Manager hat den frühen Morgen als optimalen Zeitpunkt für sein Lauftraining herausgefunden. Dann stiehlt er seiner noch schlafenden Familie keine Zeit, kann nach dem Training noch kurz gemeinsam mit Frau und Kindern frühstücken und fährt im Anschluss voller frischer Ideen ins Büro.

Beispielhaft für so manche Marathonkarriere, startete auch Ulrich Höller seine nach einer Wette. Zum Jahreswechsel 1998/1999 sprach er bei einem Rotwein im Freundeskreis über einen eher unsportlich wirkenden Freund. Dieser war überraschend einen Marathon gelaufen. „Wenn der das schafft, dann schaffe ich das auch“. Es folgte erst die Anmeldung zum New York City Marathon, dann wurde mit dem Training gestartet. Am 07. November 1999 feierte Ulrich Höller seine Marathonpremiere. Mit im Starterfeld in New York, der damalige Außenminister Joschka Fischer.

Es folgten weitere Marathonläufe in New York und Chicago. Seit 1999 ist keine Woche vergangen, in der er nicht mindestens vier bis fünfmal gelaufen ist. „Mich reizen Grenzerfahrungen. Ich war auf dem Kilimandscharo und auch zum Nordpol möchte ich in einigen Jahren mal marschieren.“ Der Manager des S-DAX Unternehmens (DIC) profitiert von diesen Erfahrungen auch für seinen Beruf, wie er Andreas Butz im Interview verrät:

 

Andreas Butz: Herr Höller, Sie waren lange Jahre Fußballer. Im Allgemeinen macht Ballsportlern das Laufen ohne Kugel keine Freude. Wie motivieren Sie sich zu laufen?
Ulrich Höller: Da brauche ich mich nicht zu motivieren. Ich weiß, wie gut mir das Laufen für meine Physis, aber auch für Psyche tut, ich genieße es, mit meinen Gedanken und der Natur alleine zu sein. Selbstverständlich bin ich auch morgens sehr oft müde und lustlos, aber das Wissen um diese erfrischende Wirkung des Laufens ist Motivation genug und hilft mir jedes Mal, das mentale Hindernis des frühen Aufstehens zu überwinden.
Andreas Butz: Beim New York Marathon werden viele Marathonpremieren gefeiert. Für die meisten Ersttäter bleibt es dann bei dem einen „Mir beweisen, dass ich es kann“. Warum suchen Sie immer wieder die Herausforderung Marathon?
Ulrich Höller: Wenn man regelmäßig läuft, möchte man ab und zu Reizpunkte setzen. Das Erlebnis des Wettbewerbs und das Laufen an spannenden Plätzen ist jedes Mal eine Herausforderung. Von daher reizt es mich immer mal wieder, einen Marathon oder einen Wettkampf zu laufen.
Andreas Butz: Marathon beschreiben Sie als Grenzerfahrung. Das klingt nach Lust an der Qual. Sind es beim Training folglich auch die harten Tempoeinheiten, die Ihnen Zufriedenheit bringen oder können Sie auch langsames Joggen genießen?
Ulrich Höller: Selbstverständlich genieße ich auch langsames Joggen, vor allem in der Natur. Abseits der Wettbewerbe bevorzuge ich sogar, mein Umfeld bewusster wahrzunehmen und den Spaß beim Laufen zu genießen. Das gilt erst recht, wenn ich an neuen Orten und in anderen Städten laufe.
Andreas Butz: Sie sagen, die Erfahrung Marathon hilft Ihnen auch im Management-Alltag? Beschreiben Sie bitte solche Situationen?
Ulrich Höller: Der Marathon bringt einen oft in „Grenzsituationen“. Das heißt, man spürt die körperlichen und geistigen Grenzen, denkt beispielsweise bei Müdigkeit oder Schmerzen über das Aufgeben nach. Aber das mentale Auseinandersetzen mit diesen Grenzen, die Überwindung des inneren Schweinehundes, aber auch rationale Überlegungen wie das Setzen von Zwischenzielen und Festlegen oder Anpassen einer Strategie haben viele Ähnlichkeiten mit dem geschäftlichen Alltag.
Andreas Butz: Bei Geschäftsreisen suchen Sie Ihre Hotels auch nach möglichen Laufstrecken aus und Sie laufen morgens vor der Arbeit. Haben Sie weitere Beispiele, wie Sie Laufen, Beruf und Familie aufeinander abstimmen?
Ulrich Höller: Ich genieße es beispielsweise, an neuen Urlaubszielen oder bei Städtereisen die jeweiligen Orte mit ihren Sehenswürdigkeiten vorab zu erlaufen und mich dabei zu orientieren. Das ist oft ein wunderbarer Auftakt für die gemeinsamen Erkundungen mit der Familie. Übrigens habe ich bisher alle Marathonziele mit einem gemeinsamen Familien-Kurztrip verbunden. Beruflich nutze ich vor allem vor wichtigen Terminen oder Verhandlungen die Möglichkeiten zum Laufen, um mich vorher noch mal zu „sammeln“ und auf das Wesentliche konzentrieren zu können!
Andreas Butz: Ihr Unternehmen ist in Frankfurt, der Stadt mit dem größten Firmenlauf, der J.P. Morgan Corporate Challenge über 5,6 Kilometer. Warum würden Sie als Langstreckenläufer solch kurze Businessläufe empfehlen?
Ulrich Höller: Ich würde das nicht als Businesslauf empfehlen, sondern als eine freudige Lauferfahrung gemeinsam mit Kollegen und Mitarbeitern. Unser Unternehmen und damit auch ich nehmen seit Jahren an dem JPMCC in Frankfurt teil und wir genießen jedes Mal das gemeinsame Lauferlebnis im Team, vor allem aber auch das anschließende gesellige Zusammensein.
Andreas Butz: Zum Abschluss, warum würden Sie aufstrebenden Jung-Managern und Managerinnen raten, neben ihrer beruflichen Karriere auch Zeit für das Laufen einzuplanen?
Ulrich Höller: Jeder muss da seinen eigenen Weg und seine eigene Sportart finden. Das Besondere am Laufen ist, dass Sie es jederzeit und überall, ohne Abhängigkeit von notwendigen Mitspielern oder schwererem sportlichen Gerät, umsetzen können. Dies lässt sich oft – neben den schon beschriebenen angenehmen Effekten – in einen auch anstrengenden beruflichen Alltag eingliedern.
Vielen Dank für das Interview
Juli 2011