Severin Moser

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Severin Moser

Severin Moser

Vorstandsvorsitzender
Allianz Versicherungs-AG

»Ich brauche meine tägliche Portion Bewegung, um mich wohl zu fühlen«, sagt Severin Moser (geb. 1962), Vorstand beim weltgrößten Versicherungskonzern. Morgens um 6 Uhr findet er Zeit zu Laufen. Spätestens um 08:30 Uhr beginnt sein Arbeitstag mit Sitzungen, die oft bis spät in den Abend hinein gehen. Oder er nutzt den Allianz Sportclub zum Krafttraining. Dieser öffnet um 7 Uhr. »An Tagen, an denen ich keinen Sport machen kann, zum Beispiel weil ich einen frühen Flug nehmen muss, fühle ich mich deutlich unwohler. Ich werde früher müde und meine Konzentration lässt schneller nach.«

Der Vorstandsvorsitzende der Allianz Versicherungs-AG ist sportlich sehr vielseitig engagiert. Er fährt Rad, klettert, spielt Tennis und Fußball. Einseitigkeit ist nicht sein Ding. Als Zehnkämpfer nahm Severin Moser 1988 für die Schweiz an den Olympischen Spielen in Seoul teil. Nach diesem Höhepunkt in seiner sportlichen Karriere schloss der frühere Schweizer Meister im Stabhochsprung mit dem Spitzensport ab und stieg zu 100 Prozent ins Arbeitsleben ein. Doch Sport blieb ein wichtiger Teil in seinem Leben.

2003 erlebte Severin Moser in seiner Schweizer Heimat als Zuschauer die Weltmeisterschaft im Orientierungslauf. Beim OL-Sport müssen Läufer selber die beste Route finden und mit Hilfe von Karte und Kompass verschiedene Kontrollpunkte anlaufen. Eine Laufsportart, die neben körperlicher Fitness ein hohes Maß an kognitiver Leistung erfordert. Seither gehört dieser Laufsportart sein großes Interesse, einmal im Monat, wenn die Zeit es erlaubt, nimmt er an OL-Wettkämpfen teil. Der 6-Tage-Orientierungslauf 2006 in Zermatt war bisher sein schönstes Lauferlebnis: »Die Kulisse in den Waliser Alpen, inmitten der Viertausenden war grandios. Aufgrund der ungewöhnlich großen Höhe mussten wir durch unterschiedlichstes Gelände, vom Geröll bis hin zu Schneefeldern. Deshalb war die Orientierung kartentechnisch außergewöhnlich schwierig.«

Auch einen Marathon ist Severin Moser bereits gelaufen, auch diesen in den Schweizer Alpen, den legendären Jungfrau-Marathon. Doch der beste Marathonläufer der Familie ist nicht er. Seine Frau Monika Moser war in dieser Disziplin bereits mehrfach Medaillengewinnerin bei Schweizer Meisterschaften.

 

Andreas Butz: Herr Moser, in den Stabsabteilungen der deutschen Unternehmen findet man viele ehemalige Spitzensportler. Warum haben Leistungssportler nach ihrer sportlichen Karriere auch gute Chancen in der Wirtschaft?
Severin Moser: Die Eigenschaften, die es braucht, um erfolgreich Leistungssport zu betreiben, sind zu einem guten Teil deckungsgleich mit denjenigen, die nötig sind, um beruflich voran zu kommen. Ich denke dabei an Einsatzwillen, Beharrlichkeit, Überwinden von Hindernissen, Ehrgeiz, Streben nach Erfolg, aber auch Teamgeist, Fairness und Kommunikation.
Andreas Butz: Viele Kopfarbeiter finden erst im Laufe der beruflichen Karriere den Zugang zum Laufen. In allen Chef-Etagen der DAX-Unternehmen wird gejoggt und in fast allen Vorständen findet man zumindest einen Marathonläufer. Warum glauben Sie, ist Laufen der Sport der Top-Manager?
Severin Moser: Laufen hat mit Bezug auf die Körperliche Ertüchtigung ein sehr gutes Aufwands-/Ertragsverhältnis. In einer Stunde lässt sich ein anspruchsvolles, aber auch gesundheitsförderndes Training absolvieren. Im Weiteren braucht das Laufen keine Infrastruktur und kann an jedem Ort durchgeführt werden. Ein dritter Vorteil liegt darin, dass man nahezu zu jeder Tageszeit und abgestimmt auf den eigenen Terminkalender laufen kann. Vor dem Frühstück, in der Mittagspause oder abends spät.
Andreas Butz: Können Führungskräfte von der Erfahrung Marathon auch in ihrem beruflichen Leben profitieren? Sehen Sie hier Analogien?
Severin Moser: Die Erfahrung Marathon umfasst ja viele Facetten. Langfristige Vorbereitung auf den einen Lauftag, Startvorbereitung (körperlich und mental) am Lauftag selbst, Einteilung der eigenen Kräfte, Abstimmung des eigenen Tempos auf die Mitläufer, sich überwinden bei Kilometer 30 - 35, Freude nach gelungenem Zieldurchlauf, etc. Viele dieser Erfahrungen kann eine Führungskraft auch im Berufsleben – natürlich in adaptiver Form – einsehen. Ich denke da beispielsweise an eine wichtige Präsentation beim Vorstand oder einem großen Kunden, bei einer schwierigen Verhandlung mit einem Geschäftspartner oder in der Erarbeitung und anschließenden Umsetzung einer Strategie.
Andreas Butz: Alle vier Jahre veranstaltet der Allianz Konzern die »Allianz Sports«. 2014 finden diese bereits zum 7. Mal statt, nach Budapest 2010 diesmal in Zürich. Was steckt hinter diesem Sportevent?
Severin Moser: Die Ziele der Allianz Sports sind vielfältig: Natürlich geht es um das Erleben der kulturellen Vielfalt der Allianz, um die Identifikation mit der Allianz Gruppe weltweit. Darüber hinaus fördert das Sportevent Spitzenleistungen und Teamwork und ermöglicht neue grenzüberschreitende Freundschaften.
Andreas Butz: Auch bei Firmenläufen, zuletzt beim B2RUN in München ist die Allianz mit mehreren hundert Teilnehmern vertreten. Eignet sich Laufen auch zur Teambildung oder warum unterstützen Sie solche Events?
Severin Moser: Laufen eignet sich hervorragend zur Teambildung. Insbesondere die gemeinsame Vorbereitung auf einen Lauf verbindet stark. Man trainiert gemeinsam oder tauscht Erfahrungen und Tipps aus. Den erfolgreichen Lauf feiert man anschließend gemeinsam und nimmt sich gleich vor, beim nächsten Lauf wieder dabei zu sein.
Andreas Butz: Zum Abschluss eine Frage an den Orientierungsläufer: In der Schweiz und in Skandinavien ist der OL-Sport sehr populär. Warum sollten auch die deutschen Hobbyläufer diesen Sport unbedingt mal kennenlernen?
Severin Moser: Orientierungslauf fasziniert mich, durch die Kombination von körperlicher und geistiger Herausforderung. Häufig finden diese Läufe auch in wunderschönen Gegenden statt, die man sonst kaum kennenlernen würde. Daher glaube ich, dass dies auch für deutsche Läufer eine interessante Erfahrung sein könnte. Versuchen sollte man es allemal.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Gespräch.
September 2011