Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst

Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst

Fotos: Norbert Wilhelmi
Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst

Vorstandvorsitzender
GfK SE

Professor Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Vorstandsvorsitzender der GfK SE in Nürnberg, ist ein Zahlenmensch. Vielen ist er durch die Kommentierung des Konsumklima-Index in Nachrichtensendungen wie der Tagesschau bekannt. Dort präsentiert er Zahlen, die über die Einkaufslaune der deutschen Bevölkerung Auskunft geben. Seine persönliche Laune wiederum kann durch Zahlen sehr beeinflusst werden.

3:15:01 Stunden ermittelte die offizielle Zeitmessung beim Hamburg-Marathon 2007. Und auch wenn diese Zeit für den damals 51 Jahre alten CEO eines der weltweit größten Marktforschungsinstitute für eine vordere Platzierung innerhalb seiner Alterskollegen reichte, so werden ihn die zwei Sekunden über seiner Zielzeit „ein Sportlerleben lang verfolgen“.

Acht Marathons ist Klaus Wübbenhorst bisher gelaufen, unter anderem in New York, Nizza, London, Hamburg und Nürnberg und weitere sollten folgen. Vielleicht, so überlegt er heute, macht er nach 12 Marathonläufen Schluss, um sich auf die Halbmarathon-Distanz zu konzentrieren, für die der Trainingsaufwand überschaubarer ist.

Andreas Butz: Herr Wübbenhorst, den New York Marathon haben Sie als bisher schönsten erlebt. Was genau machte ihn dazu?
Klaus L. Wübbenhorst: Wenn man begonnen hat, Marathon zu laufen und mit Marthonis spricht, kommt die Unterhaltung sehr schnell auf den New York Marathon. Die Welt teilt sich dann in zwei Teile: diejenigen, die bereits in New York gelaufen sind und diejenigen, die noch in New York laufen wollen. Bei mir kam dann der Ehrgeiz dazu. Ich wollte mich für den New York Marathon qualifizieren, also kein Package eines Veranstalters buchen müssen. Dies ist mir dann mit einem Halbmarathon gelungen. Die Atmosphäre in New York ist einmalig. Vom Start weg wird der Lauf von Zuschauern unterstützt. Bands spielen Musik, man wird angefeuert bis zum Zieleinlauf im Central Park.
Andreas Butz: Ihre persönliche Bestzeit ist nun 4 Jahre alt. Beschreiben Sie Ihre Gefühlswelt, nachdem Sie die offizielle Nettozeit wahrgenommen haben. Und wollen Sie diese Zeit nochmal angreifen?
Klaus L. Wübbenhorst: Ich hatte sehr gemischte Gefühle. Die Zeit von 3:15:01 h in Hamburg ist sicher nicht schlecht. Die intensiven Trainingszeiten musste ich konsequent in meinen Tagesablauf integrieren. Ich wollte aber unter 3:15:00 h laufen. Insofern war und bin ich auch heute noch etwas enttäuscht. Wo nur habe ich diese 2 Sekunden verloren? Ich werde aber keine Verbesserung der Zeit mehr versuchen. Mein derzeitiges Ziel ist es, einen Marathon mit einem überschaubaren Aufwand unter 4 h zu beenden. Dies ist mit im April 2011 beim London-Marathon mit einer Zeit von 3:53:03 h gut gelungen.
Andreas Butz: Hat das Marathonlaufen für Sie immer einen Leistungscharakter oder haben Sie auch andere Erlebnisse gemacht?
Klaus L. Wübbenhorst: Wer einen Marathon läuft – egal in welcher Zeit – hat aus meiner Sicht eine tolle Leistung vollbracht. Interessant ist dabei: wer nicht läuft, kann diese Leistung nicht im Mindesten beurteilen. Ich habe aber auch Erlebnisse über die reine zeitliche Leistung hinaus gehabt. Schon mehrfach war ich bei Marathons und Halbmarathons „Zugläufer“ für Freunde. So habe ich einem Freund zu einer Halbmarathonzeit von unter 2 h verhelfen können. Beim Jahrtausendmarathon in Fürth im Jahr 2007 haben mich die Oberbürgermeister der Städte Erlangen, Fürth und Nürnberg jeweils eine Teilstrecke begleitet. Das war ein toller Lauf für die Beteiligten und die Zuschauer
Andreas Butz: Sie sind beim Langdistanz-Triathlon Challenge in Roth schon mal als Staffelteilnehmer, nach einem Schwimmer und einem Radfahrer, als Dritter und letzter im Bunde den Marathon gelaufen. Wie war dieses Team-Erlebnis für Sie?
Klaus L. Wübbenhorst: Als wir alle im Ziel waren, war es ein tolles Erlebnis. Die Stimmung in Roth ist einmalig. Zwischendurch habe ich heftig gezittert. Ich war gut trainiert. Im Wartebereich zum Marathonstart – ich war viel zu früh da – ging mir der Gedanke durch den Kopf: was machst Du, wenn der Radfahrer aufgegeben hat und nicht kommt. Gott sei Dank kam er. Und 3:22:11 h später bekam ich im Ziel einen Kranz aus Blumen und Gummibärchen umgehängt.
Andreas Butz: Was passiert mit Ihnen beim Training? Brauchen Sie das Laufen eher um nach einem stressigen Tag abends psychisch runter zukommen oder holen Sie sich vor der Arbeit die Energie für den Tag?
Klaus L. Wübbenhorst: Ich laufe in der Regel morgens. Abends habe ich zu viele Termine. Ich habe beim Laufen immer gute Ideen für den Tag und längerfristige wichtige Themen. Wenn es mal abends später geworden ist, dann meldet sich wie wohl bei allen der innere Schweinehund und sagt: bleib doch noch etwas liegen. Den Schweinehund nehme ich dann mit auf die Strecke. Spätestens nach 15 min ist er dann verschwunden.
Andreas Butz: Marathonläufern sagt man auch im Businessleben Stehvermögen nach. Welche anderen Analogien erkennen Sie zwischen dem Training für einen Marathon und unternehmerischen Entscheidungen?
Klaus L. Wübbenhorst: Zumindest bei mir sehe ich deutliche Parallelen. Ohne ein straffes und konsequentes Zeitmanagement würde ich mein Laufen nicht im Terminkalender unterbringen. Viele Entscheidungen müssen auch etwas reifen. Wie sagt man doch: Gut Ding braucht Weile – eben wie bei einem Marathon. Hektisches Agieren – ein Sprint, dann „stop and go“ – ist selten besser.
Andreas Butz: Fördert die GfK die „Laufbereitschaft“ Ihrer Mitarbeiter, zum Beispiel durch die Teilnahme an Firmenläufen?
Klaus L. Wübbenhorst: Das machen wir weltweit. Alleine in Nürnberg fördert die GfK seit vielen Jahren den Stadtlauf im Oktober mit Kurzstrecken für Kids, 10 Kilometer für ambitionierte Beginner und einen Halbmarathon. Bei meinen Trainingsläufen in und um Nürnberg erkenne ich an den Trikots, wer in welchem Jahr dabei war. Und ich habe dann immer ein Lächeln im Gesicht, wenn mir ein GfK-Shirt entgegen kommt.
Andreas Butz: Ist das Marathonlaufen eine Erfahrung, die sie Bewerbern empfehlen würden auch in ihren Lebenslauf zu schreiben?
Nach meiner Meinung zeichnet sich ein Leben – und damit natürlich auch ein Lebenslauf – durch Vielseitigkeit aus. Sportliches und gesellschaftliches Engagement sind neben einer rein fachlichen Qualifikation ein wichtiger Schlüssel in einem Bewerbungsschreiben.
Andreas Butz: Golfern sagt man nach auf dem Golfplatz auch Geschäfte anzubahnen. Können Sie über unternehmerische Erfolge auf der Laufrunde berichten?
Klaus L. Wübbenhorst: Eine Golfrunde eignet sich sicher besser zu einem Geschäftsabschluss. Allerdings möchte ich mit einem Trugschluss aufräumen: Geschäftsabschlüsse werden nicht gemacht, weil man auf dem Golfplatz steht. Der Grund liegt vielmehr darin, dass man Zeit miteinander hat und insbesondere am Loch 19 (Anmerkung: Zum Ausklang an der Bar) das eine oder andere besprechen kann. Das geht beim Laufen weniger gut. Zumindest geht es bei mir ab KM 30 bei einem Marathon nicht um ein Geschäft, sondern um das Ankommen und die Vorfreude auf eine Hopfenkaltschale, also ein ordentliches Weizenbier.
Andreas Butz: Zum Abschluss, mit welcher Persönlichkeit aus Sport, Medien, Politik oder Wirtschaft würden Sie gerne mal laufen gehen?
Klaus L. Wübbenhorst: Hier habe ich keinen speziellen Wunsch. Aber es gibt einige Freunde von mir, mit denen ich gerne den Berlin Marathon laufen möchte. Vielleicht kann ich mit diesen Zeilen deren Restwiderstand brechen. Wenn sie diesen Abschnitt lesen, wissen sie, auf geht’s zu 42,195 Kilometern durch die deutsche Hauptstadt.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Pläne!
Mai 2011