Prof. Dr. Andreas Herrmann

Prof. Dr. Andreas Herrmann

Fotos: Norbert Wilhelmi
Prof. Dr. Andreas Herrmann

Forschungsstelle Customer Insight
Universität St. Gallen

Manchmal sind es nur 35 Sekunden die über den Gesamteindruck von 21,095 Kilometer entscheiden. Mit 1:30:34 Sekunden blieb Andreas Herrmann (geb. 1964), Professor an der Universität St. Gallen beim Mainzer Halbmarathon im Mai 2011 nur knapp unter der angestrebten 90-Minutengrenzen. Trotz neuer persönlicher Bestleistung konnte der Wissenschaftler sich nicht so richtig darüber freuen. Da geht es einem Marketingprofessor nicht anders als den meisten anderen leistungsorientierten Hobbyläufern. Sommerliche Temperaturen hin, windige Verhältnisse her, letztendlich steht eine Zeit in der Ergebnisliste und die zählt.

Es ist die Mischung aus Leistungssport und Gesundheitsförderung, die Andreas Herrmann am Laufen reizt. Er schätzt die entspannenden Auswirkungen des Laufens auf die Psyche nach einem stressigen Arbeitstag genauso wie Chance durch gezieltes Training auch im fortgeschrittenen Alter sportlich wertvolle Leistungen erbringen zu können. Und durch die Möglichkeit einen Großteil seiner 60 bis 70 Wochenkilometer auf dem heimischen Laufband zu absolvieren gelingt es dem Vater dreier Kinder den Zeitaufwand neben Beruf und Familie in Grenzen zu halten. Dafür tauscht er auch auf Geschäftsreisen immer wieder mal seine wissenschaftlichen Lektüren gegen Laufzeitungen aus. Andreas Butz traf Prof. Herrmann zu einem gemeinsamen Trainingslauf in der Universität St. Gallen.

 

Andreas Butz: Was hat Sie ursprünglich zum Laufen und später zum Halbmarathon-Laufen geführt?

Professor Andreas Herrmann: Vor dem intensiven Laufen habe ich über viele Jahre Tennis gespielt und bin intensiv Ski gefahren. Dies sind Sportarten, die schnell sind und permanente mentale Präsenz erfordern. Am Laufen genieße ich in gewisser Weise die Langsamkeit des Sports an sich und vor allem die Möglichkeit, gedanklich komplett abschalten zu können. Zudem besteht bei diesem Sport die Möglichkeit, auch im Alter von Mitte 40 immer noch besser zu werden und vor allem auch deutlich Jüngere schlagen zu können.

Andreas Butz: Was reizt Sie am Halbmarathon besonders?

Andreas Herrmann: Aufgrund meiner familiären und beruflichen Situation ist ein Halbmarathon für mich sehr gut vorbereitbar. Ein Marathonlauf erfordert deutlich mehr planbare Vorbereitung, die für mich nicht immer möglich ist. Gleichwohl plane ich, nachdem ich die 90-Minuten-Grenze auf 21 km unterschritten habe, auf die Langdistanz zu gehen.

Andreas Butz: Was treibt Sie primär an? Ist es eher eine eiserne Disziplin, die Freude am Laufen oder die nächste sportliche Herausforderung?

Andreas Herrmann: Es ist ganz klar die Freude am Laufen, jedoch stets verbunden mit dieser Option, durch noch etwas mehr Intervalltraining noch schneller werden zu können. Ich empfinde diese Sportart als wunderbaren Ausgleich bis hin zum Erlebnis der Meditation.

Andreas Butz: Sie trainieren überwiegend auf dem Laufband, 40 bis 50 Kilometer pro Woche. Wie schaffen Sie es, dass dies nicht langweilig wird?

Andreas Herrmann: Der Grund, auf dem Laufband zu trainieren besteht darin, dass ich vor allem in den Tagesrandzeiten trainiere. Ich bin bzgl. des Laufbands so gut ausgestattet, dass ich dort auch Sprints und Bergläufe simulieren kann. Zudem schaue ich mir gelegentlich während des Laufens ein Fußballspiel an.

Andreas Butz: Durch regelmäßiges Laufen soll ich auf die Anzahl der Synapsen im Gehirn auswirken, wovon nicht nur Wissenschaftler profitieren können. Empfehlen Sie das Laufen Ihren Studenten? Sind Ausdauersportler vielleicht sogar die besseren Denker?

Andreas Herrmann: Dieser Zusammenhang ist für mich nicht bedeutsam. Ich treibe diesen Sport nicht um den Zweck, mehr Synapsen im Gehirn anzulegen. Allein die Freude an diesem Sport reicht mir aus und wirkt sich bei mir sehr positiv aus. Empfehlungen gebe ich keine ab. Ich bin davon überzeugt, dass jeder seinen eigenen Sport und seinen eigenen Weg finden muss. Es ist die individuelle Freude, die mit einem Sport zusammenhängt, die es ausmacht. Da tickt wohl jeder etwas anders.

Andreas Butz: In wie weit trifft die Metapher vom langen Atem des Langstreckenläufers auch auf Wissenschaftler zu?

Andreas Herrmann: Hier mag es durchaus Parallelen geben. Ich absolviere pro Jahr 2 - 3 Wettkämpfe, auf die ich mich jeweils 2 - 3 Monate intensiv vorbereite. Es kann aber durchaus vorkommen, dass es bei einem Wettkampf heiß oder windig ist, und die anvisierte Zeit aufgrund körperlicher oder äußerer Umstände nicht zu erreichen ist. Dies ist wie in der Wissenschaft: Man arbeitet lang an einem Projekt, ist begeistert, kann es jedoch nicht dort publizieren wo beabsichtigt. Was bleibt in beiden Disziplinen? Weitermachen, noch härter trainieren und es das nächste Mal wieder probieren.

Andreas Butz: Haben Sie bereits von Ihren Lauferfahrungen auch schon für Ihre Arbeit an der Universität profitiert, sei es von Erfolgen oder Misserfolgen auf der Laufstrecke?

Andreas Herrmann: Da ich den Laufsport relativ entspannt betreibe, treffen mich Misserfolge nicht sonderlich hart. Dies ist im beruflichen Umfeld anders. Wenn Publikationen nicht dort platziert werden können wo man sie gerne hinhaben möchte, ist dies schon ein Misserfolg, der zunächst schmerzt, jedoch bislang in noch intensiveres Arbeiten mündete. Insofern sehe ich das Eine als Hobby und das Andere als Beruf an.

Andreas Butz: Wann ist bei Ihnen die Zeit reif für einen Marathon?

Andreas Herrmann: Im Training bin ich schon oft einen Marathon gelaufen, es ist bei mir mehr eine Frage der gezielten und richtigen Vorbereitung auf einen solchen Anlass. Diesen Sommer möchte ich unbedingt die 90-Minuten-Marke knacken, danach werde ich mich auf den ersten Marathonwettbewerb vorbereiten (im Herbst dieses Jahres oder im Frühjahr nächsten Jahres).

Andreas Butz: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Pläne!