Otto Hurler

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Otto Hurler

Otto Hurler

geschäftsführender Gesellschafter
RUNNERS POINT

Otto Hurler (geb. 1956) ist Marathonläufer aus Leidenschaft. Und das schon lange bevor das Laufen auch sein Business wurde. 1991 hatte ihn ein Freund erstmals zum Joggen mitgenommen und wenig später auch zum ersten Marathon überredet. Seit 2005 ist Otto Hurler zudem geschäftsführender Gesellschafter des Laufsport Filialhändlers RUNNERS POINT.

Dreimal war er bisher beim New York am Start. Seinen ersten Marathon 1991, zum Millennium 2000 und auch bei seinem bisher letzten Marathon 2010, lief er jeweils am „Big Apple“. Seine persönliche Bestzeit von 3:42 Stunden stellte er bei seinem insgesamt dritten Marathonstart 1993 beim Midnight Sun Marathon in Tromsø in Norwegen auf.

Auch wenn er die meisten seiner inzwischen 20 Marathons unter 4:00 Stunden beendete, spielt der Leistungsgedanke für den ansonsten ambitionierten Einzelhandelsunternehmer eine eher untergeordnete Rolle. Marathonlaufen ist für ihn immer ein Gesamterlebnis aus Laufen, Reise und Kultur, bei dem er von Freunden oder Familienangehörigen begleitet wird. So hat ihn seine Laufleidenschaft auch schon zu den Marathons von Moskau, Prag und Amsterdam geführt. Und zu jedem Event kann er eine persönliche Geschichte erzählen.

„Als Läufer fühle ich mich kompletter und so laufe ich auch abseits der Marathonvorbereitung wöchentlich mindestens zwei- bis dreimal pro Woche. Und wer läuft, ist auch geistig fitter“, beschreibt der Chef von rund 2000 Mitarbeitern seine Motivation auch weiterhin am Laufen zu bleiben.

 

Andreas Butz: Herr Hurler, mit 70 Mitarbeitern stellte Ihr Unternehmen ein beachtliches Team beim letzten J.P.Morgan Firmenlauf 2011 in Frankfurt. Ist dieses Event für Sie als Laufsport-Fachhändler eine Pflichtveranstaltung oder steckt mehr dahinter?
Otto Hurler: Nein, wir verpflichten ja keinen Mitarbeiter an einem Lauf teilzunehmen. Aber wir fördern und unterstützen alle Mitarbeiter die an Laufveranstaltungen teilnehmen. Am J.P. Morgan Firmenlauf nehmen wir als Firma schon seit vielen Jahren teil. Das ist vor allem der Initiative unseres RUNNERS POINT Vorzeigeläufers Uli Amborn – u.a. ehemaliger Vizeweltmeister in seiner Altersklasse über 100km – zu verdanken, der vermutlich jetzt schon wieder dem Chaselauf in 2012 entgegenfiebert. Diesmal war er und letztlich alle Teilnehmer von RUNNERS POINT besonders stolz auf die Rekordteilnehmerzahl und auch darauf dass unsere Topläufer bzw. Staffeln Jahr für Jahr im Spitzenfeld zu finden sind!
Andreas Butz: Seit 2009 ist RUNNERS POINT mit dem Staffel-Lauf auf der Schalke-Arena auch als Veranstalter aktiv. Wollen Sie damit dem boomenden Markt der Firmenläufe Rechnung tragen?
Otto Hurler: Wir haben den Staffellauf auf Schalke im Rahmen unser 25 jährigen Jubiläumsfeierlichkeiten im Sommer 2009 ins Leben gerufen. Ein Staffellauf über 5 x 5km wurde es deshalb, weil in unserer Firma zum einen der Teamgedanke eine besondere Rolle spielt und zum anderen nahezu jeder Hobbyläufer – unser Anspruch ist es jeden Läufertyp, also auch Laufanfänger gut bedienen zu können – diese Strecke gut bewältigen kann. Der Staffellauf ist eine für jeden Laufinteressierten offene Veranstaltung und in 2011 gab es erstmalig auch eine Firmenstaffellaufwertung. Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer vor allem Anderen Spaß an der Veranstaltung haben. Das gilt auch für die Jugendlichen die über 5 x 1km starten oder über noch jüngere Kids die beim ca. 200m langen Bambini-Lauf starten. Die Läufer, die sehr leistungsorientiert laufen, sind uns genauso willkommen wie Walker, die sich etwas mehr Zeit lassen.
Andreas Butz: Warum glauben Sie, hält das Laufen immer mehr Einzug in die Unternehmen. Sind die Marathon laufenden Top-Manager die Vorreiter oder sind dafür die um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter bemühten Personalchefs verantwortlich?
Otto Hurler: Ich denke sowohl als auch! Ein Sport treibender Vorstand oder Geschäftsführer kann als laufendes Vorbild einige Nacheiferer zu unserem schönen Sport bringen, aber mindestens ebenso wichtig sind die Bemühungen der Personalchefs in diese Richtung! Ihnen ist zum größten Teil bewusst, dass Sport treibende Mitarbeiter körperlich und meist auch geistig leistungsfähiger sind als Nichtsportler und auch deutlich geringere Fehlzeiten aufweisen. Aus vielfacher eigener Erfahrung wissen wir, dass im Sport leistungsorientierte Mitarbeiter auch im Beruf häufig ehrgeiziger und erfolgreicher sind als andere.
Andreas Butz: Für viele Manager ist es eine Herausforderung das Laufen in den Berufs- und Familien-Alltag zu integrieren. Wie gelingt Ihnen das am besten. Haben Sie einige Zeitmanagement-Tipps parat?
Otto Hurler: Ich habe da wochentags keinen festen Zeitplan. Ich laufe dann, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Am Wochenende bin ich in aller Regel gut verplant, da werden die Laufschuhe mindestens am Samstag und am Sonntag geschnürt, häufig auch noch am Freitagabend! Ich hätte durchaus auch die Chance am Arbeitsplatz ein Mittagsläufchen einzulegen, aber bisher ist es bei den guten Vorsätzen geblieben! Mein Tipp lautet Laufschuhe und Laufbekleidung einfach präventiv zur Arbeit oder auf Dienstreise mitnehmen, dann findet sich auch eine passende Gelegenheit und eine interessante Laufstrecke.
Andreas Butz: Warum waren Sie dreimal in New York? Was macht für Sie die Faszination dieses Mega-Laufs aus?
Otto Hurler: Der New York City Marathon war und ist einfach etwas ganz besonderes für mich. 1991 lief ich dort meinen 1. Marathon. Beim Milleniumlauf in 2000 schwebte ich quasi auf den letzten Kilometern zum ersten und bisher letzten Mal auf einer nicht enden wollenden Endorphin-Wolke ins Ziel. Und im Herbst 2010 vollendete ich den persönlich 20. Marathon und wohl auch letzten Marathon in der Big Apple Town. Die Begeisterungsfähigkeit der Zuschauer dort ist für mich ebenso großartig und faszinierend, wie die tollen Impressionen aus dem vielfältigen städtischen Leben, das ich jedes Mal aufs Neue sehr bewusst inhaliere. Alle Distrikte in New York haben eben ihren eigenen unvergleichlichen Reiz, aber als Naturmensch genieße ich immer besonders das Eintauchen in die letzten Kilometer im Central Park!
Andreas Butz: 1992 sind Sie Ihren zweiten Marathon in Moskau gelaufen. Wie sind Sie zu der üblicherweise Spitzenläufern vorbehaltenen niedrigen Startnummer 56 gekommen?
Otto Hurler: Meinem Wissen nach war es nach der deutschen Grenzöffnung in 1989 erst der 2. Marathon in Moskau, der für westliche Besucher geöffnet war. Ich kann mich noch gut an die etwas abenteuerlichen Reiseumstände – Einstieg über das offene Heck in die betagte russische Verkehrsmaschine und ein Hotelzimmer mit Kakerlaken im Bad usw. – erinnern. Aber die Laufstrecke selbst war sehr schön und eindrucksvoll und wir Wessis wurden vom Veranstalter besonders freundlich und gut behandelt. Das reichte von der tollen Startnummer über eine privilegierte Startzone – 10 Meter vor den osteuropäischen Spitzenläufern – bis zu den Massagezelten im Zielraum, die uns offen standen. Alles in allem war der Lauf auch ein Ort unvergesslicher kultureller und zwischenmenschlicher Erlebnisse. Eine Gruppe musizierender und als Indianer verkleideter Barfußläufer überholte uns bei Kilometer 20. Und ein ukrainischer Läufer mit Stahlgebiss, der fast die ganze Strecke neben mir lief und einen der sehr raren Wasserschwämme mit mir teilte, konnte sich unglaublich über eine Dose Coca Cola freuen, die ihm auf der Strecke von meiner Frau gereicht wurde. Eindrücke, die ich so bei keinem anderen Marathon erleben konnte.
Andreas Butz: Nennen Sie bitte zum Abschluss drei Gründe, warum Sie persönlich weiterhin noch viele Jahre regelmäßig laufen werden?
Otto Hurler: Erstens, Laufen macht Spaß, es macht den Kopf frei vom täglichen Arbeitsstress und danach kann ich herrlich abhängen. Zweitens, ich bleibe geistig und körperlich leistungsfähig! Und drittens, es hilft mir mein Gewicht zu halten.
Vielen Dank für das Interview
Juni 2011