Michael Börnicke

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Michael Börnicke

Michael Börnicke

CFO
Escada SE

Schon 1989 ist Michael Börnicke, Finanz-Chef von Escada, seinen ersten Marathon gelaufen. Zu einer Zeit, als in Deutschland der Laufboom noch in den Kinderschuhen steckte, finishte Michael Börnicke den Marathon in San Diego in rund 4:30 Stunden. Es war der Körper-Kult der Kalifornier, von dem auch er sich anstecken ließ.

Heute ist der frühere Premiere-Chef mehr als Multisportler aktiv. 90 Minuten Fußball mit der Betriebssport-Mannschaft am Mittwoch, Donnerstag eineinhalb Stunden Tennis mit Geschäftsfreunden und am Wochenende zwei Tage Wandern mit der Tochter in Südtirol, das war sein sportliches Programm in der Vorwoche unseres Interviews. „Sport ist für mich enorm wichtig und die Basis für meine Leistungsfähigkeit im Beruf“. Seiner Vorbildfunktion für die Mitarbeiter ist sich der CFO dabei sehr bewusst.

Auch der Laufvirus hat Michael Börnicke seit seiner USA-Zeit nicht mehr verlassen. Distanzen bis 20 Kilometer läuft er auch heute noch und es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit Teil des Escada-Teams beim alljährlichen Münchener Firmenlauf zu sein. „Schon in meiner Zeit beim Fernsehsender Premiere haben wir ein großes Team gestellt und auch heute mit Escada werden wir mit 40, 50 Mitarbeitern am Start sein“. Und damit alle beim Firmenlauf auch gut in Form sind, treffen sich jeden Donnerstag Escada Mitarbeiter, vom Auszubildenden bis zur Geschäftsführung, zum firmeneigenen Lauftreff.

 

Andreas Butz: Herr Börnicke, mittwochs wird bei ESCADA Fußball gespielt, donnerstags findet der Firmenlauftreff statt. Nicht nur für Sie persönlich, sondern auch für Ihr Unternehmen scheint Sport eine wichtige Rolle zu spielen?
Michael Börnicke: Sport schafft ein Gemeinschaftsgefühl und verbindet alle Menschen im Unternehmen, unabhängig von Funktion und Ebene. Sport sorgt für gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter, aber vor allem für Spaß an Leistung und Erfolg. Wir bei ESCADA haben ein wunderbares Produkt für selbstbewusste Frauen, gemacht von Menschen mit Leidenschaft – Sport setzt die Kraft hierzu frei. Im Sport wie im Beruf gilt: Im Team und mit Begeisterung lässt sich das Besondere schaffen und jeden Tag muss man ein Stück besser werden. Voraussetzung ist körperliche und geistige Fitness und der Wille. Unternehmen sind die Summe seiner leistungsfähigen Mitarbeiter.
Andreas Butz: Zu Ihrer Zeit bei Premiere gab es Sport-Sommerfeste, bei Escada gibt es ein jährliches Fußballturnier mit internationaler Beteiligung. Sie bevorzugen die Kombination aus Event und Sport. Warum?
Michael Börnicke: Meine Erfahrung im Berufsleben ist die, dass Events mit sportlichem Bezug am längsten positiv in Erinnerung bleiben. In Unternehmen wie privat gilt: Das kalte Getränk und gute Gespräch ist noch viel schöner nach körperlicher Anstrengung. Für mich ist das eine natürliche Kombination. Noch nach Jahren erinnert sich jeder Mitarbeiter an solche Events, vergleichen Sie das mal mit einem gemeinsamen Abendessen.
Andreas Butz: Dass sportliche Mitarbeiter auch die gesünderen Mitarbeiter sind und dadurch weniger Krankheitstage produzieren wird für Sie auch als Finanzchef eine Rolle spielen. Können Sie dies aus eigener Beobachtung bestätigen?
Michael Börnicke: Dass ist sicher so. Ich denke aber, man sollte es nicht nur auf betriebswirtschaftlich messbare Kennziffern beziehen – der Faktor als Team etwas zu leisten und Teil einer (sportlichen) Gruppe zu sein, ist noch viel bedeutender.
Andreas Butz: Wie gelingt es Ihnen persönlich Beruf, Familie und Sport zu kombinieren? Haben Sie einige Zeitmanagement-Tipps parat?
Michael Börnicke: Ich denke es geht mir wie allen Führungskräften mit sportlicher Leidenschaft. Man möchte viel mehr Sport treiben als man es schafft. Meine einzige Empfehlung ist die: Feste Trainingszeitpunkte, wie mit der ESCADA Mannschaft, schaffen Fixpunkte im Terminkalender und sind daher wie Geschäftstermine schwerer zu stornieren. Außerdem hilft der Gruppenzwang und das ist gut so.
Andreas Butz: Heute nennt sich der Marathon in San Diego „Rock n Roll Marathon“ und zahlreiche Bands spielen am Streckenrand. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Start 1989?
Michael Börnicke: Für mich war das was ganz besonderes. Die Selbstverständlichkeit von Sport, Körperbewusstsein und Lebensgefühl gab es damals so noch nicht in Deutschland. Das hat mich ungemein inspiriert und ich dachte, wieso gibt es dies so nicht in Deutschland. Es war ein großes Familienfest, so wie heute bei Laufevents in München und Berlin. Amerika war uns einfach 10 Jahre voraus. Beim Laufen hatte ich einen Walkman mit Musik der Münchner Freiheit dabei.
Andreas Butz: Sie haben in Interviews unternehmerische Prozesse mal mit einem Marathonlauf verglichen. In wie fern können Top-Manager von der Erfahrung Marathon profitieren?
Michael Börnicke: Unternehmensführung und Marathon sind identisch. Man braucht ein klar definiertes Ziel, muss hart trainieren und immer besser werden. Man muss über die entscheidenden Kennzahlen die Leistung messen und darauf aufbauend die richtigen Maßnahmen umsetzen. Am Ziel wird man für eine besondere Leistung belohnt. Ein guter Freund und Weltklassesportler hat mir mal gesagt, wie er herausragend als Athlet wurde - jeden Tag die richtigen Werte messen und Abläufe anpassen. In Unternehmen messen wir oft noch zu wenig und verändern die Trainingsabläufe zu selten. Das kann man vom Marathon und allgemein vom Sport lernen.
Zum Abschluss: Beim B2RUN-Firmenlauf in München werden Escada-Mitarbeiter mit weiteren 40.0000 Läufern über 6,5 Kilometern um die Wette laufen. Warum würden Sie Firmenläufe auch anderen Unternehmen empfehlen?
Michael Börnicke: Man muss nur in die Augen der Beteiligten schauen, ein gemeinsames Firmentrikot, der gemeinsame Auftritt als Gruppe – jeder ist stolz auf sein Unternehmen. Wir sind dabei! Diese positive Ausstrahlung sollte jeder Mitarbeiter täglich seinen Kunden vermitteln, der Firmenlauf ist eine erste Grundlage. Ich denke den Wert kann man daher gar nicht hoch genug einschätzen.
Vielen Dank für das Gespräch
Juni 2011