Marco Diehl

Marco Diehl

Marco Diehl

IT-Direktor
Citigroup Global Markets Deutschland AG

Wahrscheinlich gibt es niemanden in Europa, der so viele Marathons gewonnen hat wie er. Marco Diehl, IT-Direktor der Citigroup Global Markets Deutschland AG ist nicht nur einer der schnellsten Marathon-Manager in Deutschland, sondern mit Sicherheit der erfolgreichste. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte er schon 97 Marathons erfolgreich gefinisht und davon 26 sogar gewonnen. Ein weiterer Superlativ: 70 Mal blieb er bisher unter 2:40 Stunden.

Wenn Marco Diehl auf der Marathonstrecke besiegt wird, dann meist nur von Profis aus Osteuropa oder Afrika, die mit der Lauferei ihren Lebensunterhalt verdienen. Das muss Marco Diehl nicht, denn er verantwortet in Deutschland die Softwareentwicklung des international aufgestellten Finanzdienstleisters Citigroup.

Seinen ersten Marathon lief Marco Diehl 2003 mit 34 Jahren und blieb gleich bei seiner Premiere unter der für die meisten Hobbyläufer unerreichbaren 3 Stundengrenze.

Nur einmal musste er bisher Gehpausen einlegen, beim letzten Anstieg auf den Riffelberg beim Zermatt-Marathon 2008. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 38 Kilometer und 1500 Höhenmeter in den Beinen und kaum einer der Teilnehmer läuft diese Passage des schönsten Alpin-Marathons in der Schweiz. Dennoch kam dieses Erlebnis für ihn unerwartet. Noch nie war er bei seinen bisherigen Marathonläufen so erschöpft, dass an ein Weiterlaufen kein Denken mehr war. Er kämpfte sich durch und finishte als Neunzehnter von über 1000 Startern. Genau das sind die Erlebnissen von denen der 42-jährige Manager auch für seinen Beruf profitiert: Durchbeißen, wenn es mal schwieriger wird.

Andreas Butz: Herr Diehl, Gratulation zum 2. Platz beim Oberelbe-Marathon 2011. Warum konnten Sie nicht gewinnen?
Marco Diehl: Ich war in den beiden Vorjahren jeweils Drittplazierter. Also, von daher ist der 2. Platz eine Verbesserung, wenn auch die Zeit 2 Minuten langsamer als im Vorjahr war. Die Bedingungen waren gut, aber der starke Wind und die Sonneneinstrahlung zermürben auf der 2. Hälfte, das macht sich dann in der Zeit bemerkbar. Aber es war ein lockerer Lauf, ohne den oft gefürchteten schweren letzten Abschnitt.
Andreas Butz: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Marathon-Wettkämpfe aus? Wollen Sie Ihr Taschengeld aufbessern oder haben Sie andere Gründe?
Marco Diehl: Ich bin vielen Marathons über Jahre verbunden und kenne oft das Organisationsteam. Da komme ich gerne wieder hin. Ich mag auch eine familiärere Atmosphäre bei kleineren Landschaftsmarathons gerne und zur Abwechslung gibt es jedes Jahr einige Stadtmarathons. Frankfurt führt an meinem Büro vorbei, so was ist einfach gesetzt. Ansonsten muss es natürlich in den engen Terminkalender passen und mehr als drei Marathons in vier Wochen gehen nicht (mit Lächeln). Natürlich ist es schön ein kleines Taschengeld für neue Schuhe oder Fahrkosten zu bekommen, aber ausschlaggebend ist das nicht.
Andreas Butz: Für einen Spitzenläufer sind Sie ein Späteinsteiger. Wie sind mit 34 Jahren zum Marathonlaufen gekommen?
Marco Diehl: Gelaufen bin ich seit meiner Kindheit, allerdings nie mit der Absicht Wettkämpfe auf der Marathonstrecke zu bestreiten. Dann kam der 1. Weiltalmarathon in meiner Heimat. Da dachte ich mir, ich könnte doch mal probieren, wie schnell man in einem solchen Wettkampf laufen kann. Geplant war es als einmaliges Event, am Abend nach dem Lauf habe ich mich gleich für Mainz angemeldet. Damit hat mich das Marathonfieber gepackt gehabt. Gleich im ersten Jahr wurden es dann 8 Marathons.
Andreas Butz: Was fasziniert Sie nach fast 100 Wettkämpfen auch heute noch am Marathon? Wiederholen sich die Eindrücke oder erleben Sie jeden Marathon neu?
Marco Diehl: Jeder Marathon hat seine neuen Herausforderungen und ich kann mich an jeden meiner 97 Marathons erinnern, an Freud und Leid! Die Taktik muss den Gegebenheiten wie Strecke, Wetter, Leistungsstand und Konkurrenten angepasst werden. Es ist jedes Mal eine Grenzerfahrung und das ist egal auf welchem Niveau man läuft, die letzten Kilometer denken wohl alle das Gleiche: „warum mache ich das?“. Es ist der Mythos Marathon der immer wieder von neuem reizt!
Andreas Butz: Verraten Sie mir wie Sie Ihr Training managen. Wie oft trainieren Sie pro Woche und wie organisieren Sie Ihr Lauftraining zwischen den Verpflichtungen als Manager und Familienmensch?
Marco Diehl: Auf dem Niveau muss man schon um die 130km pro Woche trainieren, je nach Qualität und Talent auch etwas mehr. Das verteilt sich meist auf sechs Lauftage und dazu kommt ein Stabi-Krafttraining und/oder Schwimmen, um für Rumpfstabilität zu sorgen. Am Wochenende ist es recht einfach ein Zeitloch zu finden, unter der Woche versuche ich sofort nach der Arbeit zu laufen, dann bleibt danach noch genügend Zeit für Privates. Aber es ist schon eine große mentale Härte und Disziplin nötig, um das nach 12 Stunden Arbeit inklusive Pendeln durchzuziehen. Jeder muss da für sich selbst entscheiden, wie weit er gehen möchte. Ein weiterer Leistungssprung hätte für mich 30-50km mehr pro Woche bedeutet, das ist es mir nicht wert.
Andreas Butz: Fallen Ihnen Situationen aus Ihrem Geschäftsleben ein, bei denen Sie von Ihrer Marathonerfahrung profitieren konnten?
Marco Diehl: Es gibt sehr viele Analogien. Neben der körperlichen Fitness, die in der heutigen Arbeitswelt sehr wichtig ist, lernt man zu kämpfen und nicht einfach aufzugeben. Das transportiert sich direkt in die Arbeitswelt. Außerdem ist es sehr oft ein „Networking“ Ansatzpunkt und ein solches Gespräch kann Vertrauen bringen. Es gibt viele weitere Punkte, allein die Marathonvorbereitung ähnelt einem Projekt, wie ich es alltäglich bei der Arbeit zu meistern habe. Von den Planung, dem Testen bis zur Umsetzung und Analyse der Ergebnisse im Nachgang.
Andreas Butz: Marathonläufern sagt man auch im übrigen Leben Durchhaltevermögen nach. Welche anderen Eigenschaften sind bei Marathonläufern besonders häufig anzutreffen?
Marco Diehl: Ich denke ein typisches Merkmal ist sicher, nicht beim ersten Problem gelich aufzugeben, sondern zu kämpfen. Eiserne Disziplin und die Umsetzung dessen, was man sich vorgenommen hat sind andre Eigenschaften. Eine vielleicht negative Eigenschaft bei der man ein bisschen aufpassen muss, ist die eingeschränkte Flexibilität. Wenn Training ansteht, dann sind Probleme, die zu längerer Arbeitszeit führen, schon mal sehr unerwünscht. Ich glaube auch fest daran, dass der allgemeine Gesundheitszustand deutlich besser ist als bei einem „Nichtsportler“, das hilft im Alltag. Allerdings muss man hier die Einschränkung machen, dass es im Hochleistungsbereich auch zu negativen Einflüssen auf das Immunsystem kommen kann.
Andreas Butz: Glauben auch Sie, das Ausdauersportler in der Regel die besseren Manager sind und warum?
Marco Diehl: Ich glaube bei mir zu beobachteten, das ich ausgeglichener bin und das den Mitarbeitern zu gute kommt. Es ist nicht nötig sich bis auf Äußerste im Job profilieren zu müssen, das kann man im Sport und nirgends besser als beim Marathon. Da ich sportliche Betätigung als Ausgleich zu einem stressigen Job generell sehr wichtig finde, ist das Verständnis eines „Marathonmanagers“ für Work-Life-Balance der Mitarbeiter eher größer und das strahlt sehr positiv aufs Arbeitsklima aus.
Andreas Butz: Warum empfehlen Sie das Laufen auch Ihren Mitarbeitern und Kollegen? Und warum die Erfahrung Marathon?
Marco Diehl: Marathon ist eine Grenzerfahrung. Man geht bis an die Leistungsgrenze des Körpers und merkt was er zu leisten vermag. Ich denke dies ist eine sehr wichtige Erfahrung für jeden Menschen, der täglich im Arbeitsumfeld Höchstleistung erbringen muss. Außerdem gibt es keinen Sport, der mit so wenig Aufwand überall und zu jeder Zeit betrieben werden kann und dabei noch negative Energie verbraucht. In meinem Team sind einige, die sich haben anstecken lassen und Marathon laufen!
Andreas Butz: Hilft die Erfahrung Marathon auch auf der Karriereleiter? Haben Marathon laufende Bewerber die besseren Karten beim Kampf um einen Arbeitsplatz?
Marco Diehl: Generell denke ich es ist wichtig, sich bewusst zu machen, wohin man im Leben will und wie weit man die Karriereleiter empor klettern will. Das Zeitfenster zum Trainieren und für die Familie wird immer kleiner, das muss man wissen. Und Glück steigt nicht linear mit dem Einkommen oder Macht. Aber zur Frage: ich denke ja, weil der Marathonläufer sehr gründlich in seinen Vorbereitungen ist. Ohne diese Vorbereitung wird ein Marathon zum Desaster! Dies überträgt sich auch auf ein Interview. Nebenbei gesagt wirkt der Gesamteindruck eines sportlichen Menschen und die Dynamik, die er im Erscheinungsbild ausdrückt, oftmals positiv und kann mitentscheidend sein.
Andreas Butz: Mit welcher Persönlichkeit aus Sport, Medien, Politik oder Wirtschaft würden Sie gerne mal laufen gehen?
Marco Diehl: Ich hatte das Vergnügen in 2007 Tempomacher für Dieter Baumann in Frankfurt sein zu dürfen. Das hat riesig Spaß gemacht, bei km 38 lief er mir dann davon. Ich bin ihm dann im Ziel eine Minute nach seinem Einlauf in die Jahrhunderthalle in die offenen Arme gelaufen – ein großartiger Moment. Ich würde sicher gerne einmal mit den großen Idolen wie zum Beispiel Haile aus dem Marathonbereich eine Runde laufen gehen. Generell möchte ich gerne den Sport in die Unternehmen transportieren. Daher auch mein Rolle als Coach beim Marathonteam der Deutschen Vermögensberatungs AG, ein fantastisches Team bei der über den Laufsport eine Gemeinschaft zusammen gewachsen ist. Hier findet auch ein intensiver Erfahrungsaustausch über die Arbeit statt und Konkurrenzdenken wird zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis und einem Miteinander. Das zu sehen macht viel Spaß, vor allem wenn es von der Unternehmensführung unterstützt wird und sehr positiv wahrgenommen wird.
Andreas Butz: Zum Abschluss: Welches ist Ihr nächstes sportliches Ziel und verfolgen Sie einen sportlichen Traum?
Marco Diehl: Ich habe für meine Verhältnisse sehr viel erreicht und sehr viele Freundschaften über den Laufsport geknüpft. Die Zeiten rücken mit zunehmendem Alter ein bisschen in den Hintergrund, natürlich möchte ich noch vorne mit dabei sein. Aber das allerwichtigste ist für mich gesund und verletzungsfrei zu bleiben um noch lange diesen Sport betreiben zu können.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Pläne!
Mai 2011