Klaus Jost

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Klaus Jost

Bildnachweiß siehe große Ansicht
Klaus Jost

Vorstand INTERSPORT Deutschland eG / Präsident IIC INTERSPORT International Corp.

Auslöser war die plötzliche Absage eines Teilnehmers einer gebuchten New York Marathonreise und die Frage nach der Neubesetzung des freigewordenen Platzes. „Das schaffst Du eh nicht“, stachelte ihn ein Freund im Juli 2006 an. Nur vier Monate später lief Klaus Jost, Präsident der INTERSPORT International und Vorstand der INTERSPORT Deutschland eG in New York seinen ersten Marathon.

Ähnliche Geschichten hört man in Läuferkreisen immer wieder, doch beim früheren Fußballer und Leichtathlet Klaus Jost ist Entscheidendes anders. Während andere nach einem solchen Kraftakt die Laufschuhe erschöpft und für immer im Keller verbannen, blieb Klaus Jost der Lauferei treu. Jedes Jahr läuft er seither im Mai und Oktober mindestens einen Marathon und kommt so bereits auf 10 erfolgreiche Marathon-Finishs und ebenso viele Halbmarathons.

Seine Premierenzeit vom New York City Marathon 2006 blieb mit 3:41 Stunden bisher unerreicht. Es fehlt dem Vorstand des weltweit größten und erfolgreichsten Verbunds selbstständiger Sporthändler schlichtweg die Zeit, sein Wissen über optimales Marathontraining auch in der Praxis umzusetzen. So richtet er statt an einem Marathonplan das Training nach seinen Geschäftsreisen und Familienleben aus. Eine eiserne Regel lautet: Immer wenn Klaus Jost in einem Hotel übernachtet wird auch gelaufen. Denn auf Geschäftsreisen nimmt der vielbeschäftigte Manager seiner Familie durch das Lauf-Hobby keine zusätzliche Zeit weg. Und bei über 100 Übernachtungen pro Jahr kommt Klaus Jost so auf eine stattliche Kilometeranzahl.

„Laufen geht immer und überall“ und ist für den Weinliebhaber das „perfekte Gewichtsmanagement“. Ohne das Lauftraining, so vermutet der 191 cm lange Intersport-Chef, käme er schnell auf 100 kg. Doch bei 83 bis 85 kg Wettkampfgewicht fühlt er sich am wohlsten. Wie passend für ihn, dass er am Heilbronner Firmensitz der INTERSPORT Deutschland eG mit dem ‚Trollinger-Marathon‘ ein Event direkt vor der Haustüre hat, das Weingenuss und Laufsport auf angenehme Weise kombiniert.

 

Andreas Butz: Herr Jost, für viele Marathonläufer ist der New York Marathon ein großer Traum. Wie haben Sie 2006 den Lauf erlebt?
Klaus Jost: Es war das emotionalste Sporterlebnis das ich je hatte. Schon allein die Anreise war genial, dann morgens um 6 Uhr auf die Verrazano-Brücke gebracht zu werden, gemeinsam mit fast 40.000 weiteren Laufbegeisterten während des Sonnenaufgangs 4 Stunden auf den Start zu warten. Beim New York Marathon hat man das Gefühl, man ‚wird gelaufen‘, die Anstrengung ist eine ganz andere als bei anderen Laufveranstaltungen, die vielen Bands an der Strecke, die tolle Stimmung beim Publikum, das die Teilnehmer euphorisch anfeuert. Der Zieleinlauf im Central Park ist ein absolutes Gänsehauterlebnis. In meiner Laufhose hatte ich 20 Dollar, um notfalls mit dem Taxi zurück ins Hotel fahren zu können. Doch ab dem Kilometer 25 war mir klar, dass ich es schaffe, die Frage war nur noch wie und in welcher Verfassung. Ein tolles Gefühl! Der New York Marathon ist wirklich ein einmaliges und unvergleichliches Erlebnis.
Andreas Butz: Und der Rennsteiglauf ist in Deutschland bisher ihr Lieblingsmarathon, wie vier erfolgreiche Marathonteilnahmen belegen. Was macht diesen Lauf für Sie aus?
Klaus Jost: Anfangs bin ich zum Rennsteiglauf gefahren um als Hauptsponsor bei der Siegerehrung mitzuwirken. Irgendwann dachte ich: „Warum läufst du nicht selbst mit?“. Der Rennsteiglauf ist der größte und wahrscheinlich auch schönste Crosslauf Europas und landschaftlich unglaublich reizvoll. Er führt über den Höhenweg ‚Rennsteig‘ im Naturpark des Thüringer Walds. Neben der herrlichen Landschaft ist auch die Atmosphäre einmalig. Über 1.500 ehrenamtliche Helfer bereiten in wochenlanger Detailarbeit die Strecke vor. Gründungsmitglieder und viele langjährige Teilnehmer laufen den Marathon seit 4 Jahrzehnten immer noch jedes Jahr mit. Das besondere ‚Rennsteig-Feeling‘ und der Stolz aller Beteiligten über ‚Ihren Rennsteiglauf‘ spürt man auf jedem Kilometer. Beim Rennsteiglauf ist mittlerweile für alle was dabei, Wanderungen, Crossläufe für Kinder- und Jugendliche, der Special-Cross für Menschen mit Behinderung, Halbmarathon, Marathon und der Supermarathon über 72 km, bei dem nach einigen Stunden auch der ein oder andere Über-70jährige im Ziel eintrifft und abends im Festzelt mit 3.000 Fans schon wieder auf den Tischen tanzt! Bemerkenswert!
Andreas Butz: Warum sind Sie mit 45 Jahren erst relativ spät zum Laufen gekommen?
Klaus Jost: Der Auslöser war wie eingangs beschrieben der New York Marathon. In jungen Jahren war es für mich als Fußballer immer die Höchststrafe, nach dem Training noch zwei Platzrunden laufen zu müssen. Jede Distanz, länger als ein 100 m Sprint war undenkbar, daher hätte ich mir nie träumen lassen, jemals freiwillig einen Marathon zu laufen.
Andreas Butz: Was treibt Sie heute an zu laufen? Ist es eher die Vernunft, Sie sprachen von Gewichtsmanagement, die Freude an der Bewegung oder die nächste sportliche Herausforderung?
Klaus Jost: Es ist weniger der Erfolg oder das Ziel zu gewinnen, sondern die Freude an der Natur, die Aspekte Fitness und Gesundheit und vor allem der klare Kopf nach dem morgendlichen Lauf.
Andreas Butz: Ist es richtig, dass Ihre Mitarbeiter Veranstaltungshotels auch nach geeigneten Laufstrecken im Umfeld aussuchen?
Klaus Jost: Absolut ja. Ich arbeite in einer Sportfirma und viele unserer Mitarbeiter sind in den verschiedensten Bereichen sportlich aktiv, so dass alle an Möglichkeiten, sich nach anstrengenden Meetings sportlich zu betätigen, interessiert sind. Der Vorteil am Laufen ist, dass man es jederzeit und überall machen kann. Sei es auf Waldwegen, Schotterwegen aber auch Asphalt. Die Suche nach geeigneten Veranstaltungshotels gestaltet sich somit nicht sehr schwierig. Und wenn dann noch ein See oder Fluss in der Nähe ist, ist die Location so gut wie gebucht.
Andreas Butz: Können Sie von Beispielen berichten, wo Sie Ihr Training auch mit Geschäftlichem verbunden haben, also statt sich zum Geschäftsessen zu verabreden, mit Mitarbeitern oder Geschäftsfreunden gelaufen sind?
Klaus Jost: Ich gehe häufig mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern laufen. Viele Geschäftsvorgänge kann man bei einem gemeinsamen Lauf in der Mittagspause besprechen, es bietet sich auch an, zwischen Meeting und Abendessen eine gemeinsame Runde zu drehen um wieder aufzutanken. Es ist also nicht notwendig, das Geschäftsessen ausfallen zu lassen, man kann aber im Vorfeld mit sportlichen Aktivitäten für eine gute Atmosphäre sorgen und verhindern, dass zu viele Geschäftsessen sich an den Hüften bemerkbar machen.
Andreas Butz: Wenn Sie unentschlossene Manager vom (Marathon) Laufen überzeugen wollten, welche Hauptargumente würden Sie anführen?
Klaus Jost: Das Laufen bietet sich als Ausgleich zum Job einfach an, man kann überall und jederzeit laufen, man muss sich nicht nach irgendwelchen Öffnungszeiten richten und die Running-Schuhe und leichte Kleidung bringt man auch im Reisekoffer noch gut unter. Als Manager verbringt man sehr viel Zeit auf Geschäftsreisen und sieht von der besuchten Stadt – außer dem Tagungshotel – so gut wie nichts. Beim Laufen lernt man viel mehr von der Welt kennen. Man fühlt sich einfach fitter und wohler, man bekommt den Kopf frei und so manches kritisches Schreiben wird beim Laufen gedanklich vorformuliert, die erhöhte Sauerstoffzufuhr fördert kreative Ideen und bringt ‚Ordnung in die Gedanken‘. Die gesundheitlichen Vorteile ergeben sich weniger durch die Teilnahme am Marathon, sondern durch die Zeit zwischen den Rennen, denn die Voraussetzung für das ‚Ankommen‘ ist regelmäßiges Laufen. Und wann hat man schon mal die Gelegenheit, auf abgesperrten Hauptstraßen von Weltstädten (Athen, Berlin, London, New York, etc.) zu laufen – nur beim Marathon! Das Runner‘s High nach einem erfolgreich absolvierten Marathon ist kein Mythos oder eine Idee sondern ein echtes Erlebnis, dass ich gerne mit anderen sportlichen Menschen teilen möchte. Laufen Sie los!
Andreas Butz: Mit welcher Persönlichkeit aus Sport, Medien, Politik oder Wirtschaft würden Sie gerne mal laufen gehen?
Klaus Jost: Ich würde gerne dem einen oder anderen Politiker ‚den Weg weisen‘, d.h. von den o.g. Vorteilen regelmäßigen Laufens überzeugen – für mehr Ausdauer, Kreativität und ‚Ordnung in den Gedanken‘. Oder mit dem Präsident der Vereinigten Staaten, hier ist der Personenschutz auch immer dabei.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
Mai 2011