Kathrin Möller

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Kathrin Möller

Kathrin Möller

Vorstand
GAG Immobilien AG

Der Laufvirus liegt bei ihr in der Familie. Kathrin Möllers Vater war in den 70 Jahren einer der Pioniere beim legendären Rennsteiglauf, dem mit über 12.000 Teilnehmern mittlerweile größten Crosslauf in Europa. Und so versteht es sich fast von selber, dass die leidenschaftliche Läuferin und Vorstand der börsennotierten GAG Immobilien AG aus Köln auch in Thüringen bereits mehrfach über die Halbmarathon- und Marathondistanz unterwegs war.

Mit inzwischen 11 gefinishten Marathons unterscheidet Kathrin Möller (geb. 1964) zwischen Erlebnisläufen und leistungsorientierten Marathonläufen. Bei all ihren Starts beim Bremen-Marathon, in schöner Reihenfolge von der Premiere des Stadtlaufs 2005 bis zu ihrer letzten Teilnahme 2008, spielte die gelaufene Zeit für sie eine wichtige Rolle. Mit persönlicher Bestleistung in 3:31:34 Stunden blieb sie 2008 nur knapp unter der angestrebten dreieinhalb Stundengrenze und verfehlte als sehr gute Fünfte das Treppchen der Altersklasse W40 nur knapp.

Eher in die Kategorie Erlebnislauf ordnet sie ihre Teilnahmen bei den Bergmarathons von Interlaken, Zermatt und Mont-Blanc ein. Den Zermatt-Marathon in 5:30 Stunden erlebte sie dabei als bisher schönsten Alpin-Marathon. Hier soll irgendwann die 5-Stundengrenze fallen. Doch das ist nicht ihr einziges ehrgeiziges sportliches Ziel, wie die Top-Managerin im Interview mit Andreas Butz verriet:

 

Andreas Butz: Frau Möller, Sie erleben ihr Marathonhobby in vielen Facetten. Deutsche Mittelgebirge, Schweizer Alpen, amerikanische Metropolen. Was alles macht für Sie das Marathonlaufen so interessant?

Kathrin Möller: Ich bin seit vielen Jahren Läuferin. Lange war für mich neben Rennrad- und Mountainbike fahren das Laufen lediglich Ausgleich und Konditionstraining in den Wintermonaten. Und Laufen konnte ich überall, ob unterwegs auf Dienstreisen und Kongressen, die Laufschuhe passten in jedes Fluggepäck und eine Laufstrecke fand sich in jeder Stadt am Morgen. Erst mit dem Ziel 2005, einen ersten Marathon zu laufen und dem daran geknüpften ersten Marathontraining , wurde das Laufen zum echten Bedürfnis und dann in Folge zum leidenschaftlichen Hobby.

Andreas Butz: Die Marathondistanz ist auch nach dem elften Marathonlauf noch immer Herausforderung. Sie ist keine Trainingsdistanz und bis auf wenige Ausnahmen immer auch ein Stück Überwindung des „inneren Schweinehunds“, der irgendwann auf der Strecke sagt, „warum tust Du Dir das an“, und es ist vielleicht die Freude über die Selbstüberwindung, die so beflügelt und die bewirkt, dass man sich spätestens nach dem Zieleinlauf schon auf den nächsten Lauf freut.

Kathrin Möller: Für mich persönlich ist es neben der Selbstüberwindung insbesondere das Lauferlebnis in der Stadt- oder Landschaftskulisse, was das Marathonlaufen so interessant macht. Und sicher auch das Miteinander mit den anderen Läufern, das Stück Gemeinschaftsgefühl beim Start und beim Lauf, das man als Läufer in der Regel sonst nicht hat.

Andreas Butz: Den New York Marathon 2008 bezeichnen Sie als bisher schönsten Marathonlauf. Wie haben Sie den New York Marathon erlebt und warum glauben Sie, fühlen sich auch so viele andere Manager vom New York City Marathon angezogen?

Kathrin Möller: Den Veranstaltern des New York Marathons ist es gelungen, ein, ich glaube für alle Läufer, wirklich einmaliges Event zu organisieren. Es ist das internationale Flair, die gute Organisation dieses großen Laufs mit seinem riesigen Teilnehmerfeld, die Strecke, die Stimmung und sicher der Zieleinlauf mit der Skyline von Manhattan und dem Central Park.

Andreas Butz: Sind es Ihre Marathonambitionen, die Sie am Laufen halten oder würden Sie auch ziellos weiter trainieren?

Kathrin Möller: Die Zielorientierung auf einen Lauf ist auf jeden Fall ein großer Motor für ein regelmäßiges und strukturiertes Training. Aber ich würde auch ohne Marathonambitionen weiterhin laufen, wie ich das früher bereits getan habe, einfach aus dem Bewegungsbedürfnis heraus. Aber ich habe im vergangenen Jahr, in dem ich verletzungsbedingt lange pausieren musste, lange Trainingspausen hatte und dann krankheitsbedingt gar nicht über die Marathondistanz gelaufen bin , gemerkt, dass mich der „innere Schweinehund“ morgens das eine und andere Mal den Wecker ausstellen ließ und das Lauftraining dann ausfiel. Und so hoffe ich, dass es mir meine Gesundheit und meine Konstitution noch lange erlauben, lange Läufe zu erleben, denn sie sind nicht nur Motivation für das Training sondern ein ganzes Stück Lebenshaltung für mich.

Andreas Butz: Aktuell laufen Sie drei- bis viermal pro Woche. Wie gelingt es Ihnen am besten Sport, Beruf und Familie zu koordinieren? Haben Sie einige Zeitmanagementtipps für laufende Manager parat?

Kathrin Möller: Nun, es gibt sicher ein paar Faktoren in meinem Privatleben, die dem Lauftraining ebenso zuträglich sind, wie meinem Berufsleben. Ich habe leider keine Kinder, die ich betreuen muss und so verbleibt mir, meine verbleibende wenige Freizeit zwischen Lauftraining und Partnerbeziehung zu teilen, was auch nicht immer konfliktfrei geht, insbesondere wenn lange Läufe am Wochenende zu organisieren sind. Aber der andere positive Faktor ist, dass mein Lebenspartner grundsätzlich meine sportlichen Aktivitäten teilt und meine Marathonläufe begleitet. Ansonsten wäre mein Rezept, das Lauftraining zu einer Tageszeit zu planen, zu der die Wahrscheinlichkeit, sie auch einhalten zu können, die größte ist. Für mich ist das der frühe Morgen. Ich starte meine Lauftrainings unter der Woche morgens um sechs. Und die morgendlichen Läufe helfen mir, einerseits beim Laufen den Tag zu strukturieren und andererseits so ein bisschen Schwung und Frische mit in den Büroalltag zu nehmen. Am Wochenende plane ich meine Läufe in der Regel auch am Morgen nach dem Aufstehen, um dann Zeit für andere Aktivitäten zu haben.

Andreas Butz: In der Wirtschaft wird Marathon gerne als Metapher für andauernde Prozesse benutzt. Was können Manager von Marathonläufern lernen?

Kathrin Möller: Marathon ist inzwischen für mein Empfinden ein inflationär genutzter Begriff in Wirtschaft und Politik, nicht nur für andauernde, sondern mit der Negativbehaftung für „endlos“ werdende Prozesse. Hier ist die Begrifflichkeit eben nicht zutreffend. Denn ein Marathon ist eben, zwar ein langer, andauernder, aber letztlich endlicher Prozess mit definiertem Start und Ziel, einer präzise vermessenen Strecke, einem vorab bekannten Streckenprofil und mit für jeden Läufer planbaren Etappen über die Distanz. Ich kann als Marathonläufer diese Strecke planen, ich muss mein Verhalten über die Distanz vorab einschätzen, meine Kräfte einteilen, mein Tempo auf das Ziel hin steuern. Und ich werde einen Marathon nicht nach dem Prinzip Hoffnung laufen - ohne Training und ohne mentale Vorbereitung. Und eben das gilt auch für das Führen von Unternehmen und das Managen von andauernden und komplexen Prozessen in Unternehmen. Es ist nicht nur der viel beschriebene „lange Atem“ über die Strecke, sondern auch die verantwortungsvolle Einschätzung der Aufgabe, die weitsichtige Vorbereitung, Planung und Analyse des Weges, die zur erfolgreichen Zielerreichung beiträgt

Andreas Butz: Ihr Unternehmen GAG ist Namenssponsor des GAG Rhein-Halbmarathons in Köln. Was verbinden Sie mit diesem Engagement?

Kathrin Möller: Der GAG Rheinhalbmarathon ist für uns als Unternehmen einerseits eine Möglichkeit, die Wahrnehmung der Kölner für die rechtsrheinischen Stadtteile zu verbessern und positiv zu stärken, zum anderen ein Stück Marketing für unsere eigenen Wohnquartiere in Mühlheim und Stammheim. Außerdem unterstützen wir die Bewegungs- und Sportförderung von Kindern und Jugendlichen durch unsere Förderung der Schulstaffeln. Ich würde mich freuen, wenn es mir gelingen würde, noch mehr Kollegen zum Laufen zu bewegen. Wir haben jedes Jahr einige Einzelläufer über die Halbmarathonstrecke gehabt und im letzten Jahr auch eine erfolgreiche Staffel, aber das könnte noch mehr werden.

Andreas Butz: Nennen Sie spontan zwei Gründe, warum man den GAG Rhein-Halbmarathon in Köln unbedingt mal laufen sollte?

Kathrin Möller: Die Streckenführung für den GAG Rhein-Halbmarathon ist in diesem Jahr neu, entlang des nördlichen rechtsrheinischen Teils des Rheinufers , eine Strecke, die die wenigsten Kölner Läufer kennen. Ich habe an dem Probelauf teilgenommen und kann sagen, die Strecke ist attraktiv, abwechslungsreich und für viele sicher eine Überraschung. Und der Start auf der Mühlheimer Brücke ist einmalig und für alle teilnehmenden Läufer ganz sicher ein besonderes Erlebnis.

Andreas Butz: Zum Abschluss: Welche weiteren sportlichen Herausforderungen können Sie sich für Ihre Zukunft vorstellen?

Kathrin Möller: Mein größter Wunsch ist, nach der ersten einschneidenden Verletzungserfahrung im letzten Jahr, gesund zu bleiben und noch möglichst lange weiter laufen zu können. Aber natürlich habe ich auch einige Ziele: ein ganz naheliegender Wunsch ist, den Köln-Marathon, den ich in 2009 nur mit Schmerzen und schlechter Zeit gelaufen bin, noch einmal mit Freude und hoffentlich auch besserem Ergebnis zu laufen. Auch den 40. Rennsteiglauf im nächsten Jahr möchte ich möglichst mit guter Zeit, vielleicht unter 4 Stunden beschließen. Außerdem habe ich das Ziel, Sie erwähnten es schon, weitere Cross- und Alpinmarathons zu laufen und dann den Zermatt-Marathon unter 5 Stunden zu beenden. Geplant ist weiterhin, entweder im nächsten oder übernächsten Jahr am Transalpin teilzunehmen, für mich sicherlich der reizvollste und anspruchsvollste Alpenlauf. Da es sich hier aber um eine ganze Woche Laufen handelt, muss ich sehen, in welchem Jahr das mit unseren Unternehmensterminen am besten vereinbar ist. Daran anschließend möchte ich sicherlich auch noch einmal die ursprüngliche lange Distanz des Rennsteiglaufs probieren. Also noch ausreichend Ziele für die nächsten Jahre.

Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
Juni 2011