Jochen Schneider

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Jochen Schneider

Jochen Schneider

CIO
Zürcher Bank

Jochen Schneider, geb. 1959 war 45 Jahre alt, als er mit seinem damals 12-jährigen Sohn Fußball spielte. Bei einem Match, Eltern gegen Kinder, eroberte der Vater an der eigenen Strafraumgrenze den Ball, lief quer über den Platz auf das gegnerische Tor zu und schoss… den Ball total erschöpft neben das Tor. Dies war seine Initialzündung in der Folge mit dem Laufen zu beginnen.

Heute blickt der CIO der Zürcher Kantonalbank auf viele Marathonläufe zurück. Darunter Straßenläufe wie der Zürich Marathon, Alpinmarathons wie die von Davos (K42) oder an der Jungfrau. Aber auch Skimarathons wie den Klassiker aus Engadin haben ihn schon auf der Loipe gesehen.

Auf 35 bis 50 Wochenkilometer kommt der Banker aus Zürich in der Marathonvorbereitung. Dazu läuft er auch mal in der Mittagszeit: »Dann kenne ich kein Tagestief. Der Nachmittag ist wie ein zweiter Vormittag für mich.« Auf Geschäftsreisen läuft Jochen Schneider auch schon mal morgens um halb sechs und geht anschließend ohne Frühstück direkt zur Konferenz. Dass man auch bei gelegentlichem Verzicht auf Mahlzeiten leistungsfähig sein kann, hat der Liebhaber biologischer Küche intensiv bei einer Fastenkur erlebt.

»Ich fühle mich nicht nur während der 5 Laufstunden pro Woche gut, sondern auch in den restlichen 163 Wochenstunden geht es mir durch das Laufen viel besser«, bringt der Banker aus der Schweiz seine Motivation zu laufen auf den Punkt.

 

Andreas Butz: Um etwas für die Fitness zu tun, reichen dreimal wöchentlich 40 Minuten Laufprogramm. Was aber reizt Sie persönlich am Marathon?
Jochen Schneider: Für mich ist wichtig, ein Ziel anzustreben. Die Ziele haben sich von Jahr zu Jahr immer ein wenig nach oben entwickelt. So gelangte ich innerhalb von zwei Jahren zum Marathon. Und der nächste Marathon ist wichtig für den Kopf. Dann gehe ich auch bei Nieselregen aus dem Haus und warte nicht auf schönes Wetter.
Andreas Butz: Sie laufen gerne alleine. Entspannen Sie, lösen Sie Probleme oder was geschieht bei Ihnen beim Laufen?
Jochen Schneider: Ich nehme auch nie Musik oder das Handy mit zum Laufen. Die Laufstunden sind Zeiten, in denen ich ganz mit mir alleine bin. Ich kann einfach den Wechsel der Jahreszeiten beobachten oder auch mal ein wichtiges Problem von der Arbeit mitnehmen. Da klingelt kein Telefon und niemand unterbricht den oder die Gedanken. So habe ich schon knifflige Personalprobleme auf geschickte Art wälzen und lösen können. Was ich auch sehr gerne mache ist eine Stadt so kennenlernen. Z.B. morgens um 6 Uhr in Süd-Manhattan über den Fischmarkt und anschließend über die Brooklyn Bridge zurück auf die Skyline zu - oder in Stockholm quer durch die Stadt, am Wasser entlang bis zum Olympiastadion von 1912. Wenn man für 4 Stunden Energie hat, kann man ohne Stadtplan los und hat nie Angst sich zu verlaufen und nicht genug Kraft zu haben für den Rückweg.
Andreas Butz: In welchen alltäglichen Situationen erleben Sie Ihre Fitness?
Jochen Schneider: Früher hatte ich leicht Asthma. Wenn ich zum Zug rennen musste war ich so außer Atem, dass ich nachher 20 Minuten husten musste. Das passiert mir jetzt natürlich nicht mehr. Oder beim Skilaufen. Wenn die Kollegen nach einem Skitag sich ausruhen müssen oder müde an der Bar hängen hole ich oft noch meine Langlaufskier und gehe 1 oder 1 ½ Stunden auf die Loipe.

Durch die Ausdauer, die ich mir erlaufen habe glaube ich nicht nur mit den Beinen sondern auch mit dem Kopf viel leistungsfähiger zu sein. Ich beobachte viele Leute, die nach einem langen Arbeitstag müde im Zug hängen und die Augen geschlossen haben. Ich kann dann noch leicht meine eMails bearbeiten oder eine englischsprachige Wirtschaftszeitung lesen ohne dass mit die Augen zufallen.
Andreas Butz: Mit Ihrer Frau zusammen haben Sie eine Fastenkur gemacht. Was war der Auslöser und welche die wichtigsten Erkenntnisse?
Jochen Schneider: Der Auslöser war die Tatsache, dass in fast allen Religionen eine Periode des Fastens zu den Gepflogenheiten gehört. Sich einfühlen können in die Welt von Menschen, die sich nicht jeden Tag alles leisten können, war die Hauptmotivation. Wir haben gemäss der christlichen Lehre die Zeit vor Ostern dazu genutzt. Im ersten Jahr haben wir während 2 Wochen nur das Fleisch weggelassen. Dann im zweiten Jahr kein Fleisch und kein Alkohol. Im Dritten dann kein Fleisch, kein Fisch, kein Alkohol und kein Kaffee. Das mit dem Kaffee war besonders hart. Ich glaubte morgens um 11 und nachmittags um halb drei, dass ich sofort in einen Tiefschlaf verfallen müsste. Da merkte ich, wie abhängig ich von den 5-8 Tassen Kaffee war, die ich täglich konsumierte. Heute komme ich bestens ohne Kaffee aus. Und wenn es dann mal nach einer sehr kurzen Nacht wirklich ernst wird, dann habe ich einen Joker, indem ich einen Espresso trinken kann. Der pusht mich dann wirklich.

Wenn wir jetzt fasten, dann ist eigentlich alles erlaubt, was grün ist, im Boden oder auf Bäumen wächst. Milchprodukte und alles was sich alleine bewegen kann ist tabu. Und das schöne dabei ist, meine Frau hat inzwischen so tolle Gerichte gefunden, vor allem aus der indischen Küche, dass es gar kein grosser Verzicht mehr ist. Ausser natürlich das Glas Rotwein. Das fehlt dann schon zur Abrundung.
Andreas Butz: Die Zürcher Kantonalbank sponsert den ZKB ZüriLaufCup. Was verbindet die Bank mit diesem Engagement? Sind Läufer eine interessante Zielgruppe?
Jochen Schneider: Die Zürcher Kantonalbank hat sich die Nachhaltigkeit als eine der wichtigsten Ziele gesetzt. Nachhaltigkeit ist nicht nur, wenn man Ökostrom benutzt, sondern auch wenn man sich für die Natur und Umwelt einsetzt. Und wie kann man die Natur besser erleben als auf den eigenen Beinen?

Der Züri-Laufcup ist nicht für Eliteläufer konzipiert, sondern für den Breitensport. Für Jung und Alt. Eben für alle, die aktiv sind und sich gerne in der Natur bewegen. Und insofern passt es sehr gut zu unserer Marke und unserem Leistungsversprechen. Die nahe Bank für die Zürcherinnen und Zürcher.
Andreas Butz: Fassen Sie zum Abschluss bitte in ein paar Punkten zusammen: Warum würden Sie das Laufen auch anderen Kopfarbeitern empfehlen?
Jochen Schneider: Schon die alten Griechen wussten, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist wohnen kann. Ich kann das voll und ganz bestätigen. Die Regelmäßigkeit des Trainings bedeutet Disziplin mit sich selbst und fördert die Ausdauer. Und Beständigkeit und Ausdauer braucht man immer auch im Management.

Was für mich besonders erstaunlich ist, wie selten es regnet. Wenn man immer um die gleiche Zeit zum Joggen geht wird man höchstens alle 3 Wochen einmal nass. Wenn man sich am Wochenende die Zeit dann auch noch über den Tag einteilen kann, dann noch seltener.

Wenn man mehrmals wöchentlich in die Natur geht kann man den Wechsel der Jahreszeiten so wundervoll miterleben. Bei uns im Jura kommen nach der Schneeschmelze kilometerlange und -breite Wiesen mit Wildnarzissen zum Vorschein. Oder im Herbst, wenn, wie in den letzten beiden sehr trockenen Herbsten, mit einem Windstoss Millionen gelber und brauner Blätter durch die Luft wirbeln. Oder so wie heute, wo man in dickstem Nebel mit Sicht unter 20 m startet und nach einem Kilometer und 100 Höhenmetern die Sonne durchbricht und man über das Nebelmeer in der Ferne den ganzen Alpenkamm mit schneebedeckten Bergen vom Säntis bis zum Mont Blanc sehen kann. Dann geht einem das Herz auf und man denkt: »Was kann es schöneres geben?« Da kann man dann wieder einige Tage davon zehren, wenn man im Büro sitzt und auf die graue Fassade gegenüber schaut.

Laufen lässt einen die Welt mit anderen Augen sehen!
Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
November 2011