Erny Huberty

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Erny Huberty

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Erny Huberty

Marketing-Chef
Enovos International S.A.

»Wenn ich nicht laufen würde, wäre ein Herzinfarkt bei mir vorprogrammiert«, sagt Erny Huberty, Marketing-Chef von Enovos, dem größten Energieversorger in Luxemburg. Stattdessen attestieren ihm seine Kollegen eine innere Ruhe und Ausgeglichenheit. »Den Stress verarbeite ich im Wald.«

Erny Huberty, Jahrgang 1963, bezeichnet sich selber als Genussmensch. Er ist kein Leichtgewicht, isst und trinkt gerne. Doch seinen Sport betreibt er sehr ernsthaft. Wie so manch andere ehemaligen Fußballer auch, hat er nach seiner Fußballerkarriere zunächst mit Tennis einen anderen Ballsport ausprobiert. Und auch das Radfahren hat er für sich entdeckt. Doch richtig regelmäßig, das ganze Jahr über, betreibt er nur den Laufsport. Hier ist er auf keine Öffnungszeiten und keine Mitspieler angewiesen. Dennoch läuft er auch gerne zusammen mit anderen.

Wenn Erny Huberty die Wahl hat mit Kollegen zu laufen oder mit Freunden aus anderen Branchen, dann entscheidet er sich bewusst für Laufpartner außerhalb seines Unternehmens. Laufzeiten sind für ihn Auszeiten vom Berufsalltag und wenn er sich beim Laufen unterhält, dann spricht er lieber über Alltägliches als über seine Arbeit. Sehr gerne läuft der Marketingmann mit anderen Büromenschen in der Mittagspause. »Wenn wir von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr laufen, dann können wir bequem ab 14:00 Uhr wieder unsere Termine wahrnehmen.« Dem biologischen Tagestief läuft er so aus dem Weg.

Vier Marathons ist der Manager aus Luxemburg bereits gelaufen und weitere sollen folgen, wie Erny Huberty im Interview mit Andreas Butz verriet.

 

Andreas Butz: Viele Fußballer finden Sport ohne Ball langweilig. Warum ist das bei Ihnen anders?
Erny Huberty: Dies hat sicher damit zu tun dass mein Fußballspiel immer sehr lauf-und kampforientiert war, dies mangels ausgefeilter Fußballtechnik. Eine Laufaffinität war schon immer festzustellen auch während den üblichen Fußballsaisonvorbereitungen und Trainingseinheiten. Kurz: Der Ball war nie mein Freund! Dies war auch der Fall bei den ‚Ersatzsportarten‘ die ich ausprobiert habe, wie Tennis.
Andreas Butz: Sie sprachen davon nicht nur körperlich fit bleiben zu wollen, sondern auch vom Laufen als mentalem Training. Was genau bewirkt das Laufen bei Ihnen?
Erny Huberty: Auch dies ist ein großer Vorteil gegenüber zum Beispiel Tennis, bei dem man überhaupt nicht zur Ruhe kommt. Unter der Woche laufe ich gerne in Gesellschaft, aber mindestens einmal pro Woche, normalerweise am Wochenende, sehr gerne alleine, niemals mit Ohrenstöpsel, iPhone oder sonstigem Gedudel, sondern bewusst alleine mit mir und meinen Gedanken. Die dabei entstehende innere Ruhe und das Reduzieren der anliegenden Probleme und Entscheidungsfindungen auf das Wesentliche, also eine Art von Relief, welches annähernd visuell entsteht, ist ein Zustand der im ‚Normalmodus‘ nicht zu erreichen ist. Unter Entscheidungsrelief verstehe ich eine virtuelle Darstellung der Problematik, wobei die am höchsten hervorragenden Punkte die wesentlichen sind.
Andreas Butz: Sie treffen sich mittags mit Freunden aus der Luxemburger Geschäftswelt zum Laufen. Wie läuft das genau ab?
Erny Huberty: Wir haben über Jahre hinweg eine lose Laufgruppe, welche ungefähr 6 bis 10 potentielle Läufer(innen) begreift. Normalerweise finden ca. 3 bis 4 Treffs pro Woche in einem der Stadt Luxemburg sehr nahe gelegenen Wald statt. Die Stadt Luxemburg stellt hier Umkleide-und Duschmöglichkeiten zur Verfügung, welche auch rege genutzt werden. Einer aus der Gruppe schickt morgens ein Mail an alle und kündigt an, dass er auf jeden Fall da sein wird (normalerweise 12:15 Uhr) und weitere Teilnehmer sagen dann auch zu. Meist sind dann 3 bis 7 Läufer/innen dabei. Das Laufen dauert ca. 1 bis 1,5 Stunden im lockeren Trabtempo, knapp 10 Kilometer mit mäßigem Höhenunterschied. Unsere Aktivitäten beschränken sich aber nicht nur auf das reine Laufen, sondern auch Geburtstage werden am Rande des Laufens regelmäßig gefeiert.
Andreas Butz: Zunächst sind Sie nur gelaufen, um nach der Zeit als aktiver Fußballer fit zu bleiben. Wann kam bei Ihnen der Gedanke auf auch mal Wettkämpfe zu laufen?
Erny Huberty: Dies entstand auf Initiative eines Lauffreundes, welcher seit jeher Wettkämpfe gelaufen ist und mir dies nahegebracht hat. Die besondere familiäre Atmosphäre hat mir sofort gut gefallen.
Andreas Butz: Für 2012 haben Sie sich bewusst den Luzern-Marathon als Saisonhöhepunkt im Herbst ausgesucht. Warum?
Erny Huberty: Luzern ist eine sehr schöne Stadt, knapp 500 km entfernt von Luxemburg, bietet Halb- und Vollmarathon, findet am Wochenende vor den Allerheiligenferien statt und ist CO2 neutral. Ich bin erst bei Recherchen über CO2 Neutralität im Rahmen meiner professionellen Tätigkeit darauf aufmerksam geworden (www.myclimate.org).
Andreas Butz: Wenn Sie einen Manager überzeugen wollten, nicht nur regelmäßig zu laufen, sondern auch mal einen Marathon anzugehen, welche Hauptgründe würden Sie anführen?
Erny Huberty: Ganz klar: Das nicht zu beschreibende Gefühl danach. Diese Challenge geschafft zu haben. Das Gefühl auch der Solidarität innerhalb der Läufer, obschon jeder selbst laufen muss.
Andreas Butz: Herzlichen Dank für das Interview!
Februar, 2012