Erich Lejeune

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Erich Lejeune

Erich Lejeune

Lejeune Academy GmbH

»Wenn du beim Marathon durchs Ziel läufst, dieser emotionale Kick, den finde ich besser, als wenn man Millionen verdient«, sagt Erich Lejeune. Der Unternehmer und Motivationscoach muss es wissen, denn er hat beides schon geschafft. Einige Millionen verdient und drei Marathons gelaufen. Reich wurde Erich Lejeune, geboren 1944 in Dorfen, mit einem Handelsunternehmen für Chips, dass er 1976 als ce Consumer Electronics gegründet und 1998 an die Börse geführt hat. Auch als Autor war Lejeune sehr erfolgreich, sein bekanntestes Buch »Lebe ehrlich – werde reich« erschien 2006.

Sein letztes Buch »Erkenne dich selbst! – 301 Fragen für ein gelungenes Leben« erschien 2009. Seit 1999 ist Erich Lejeune bei münchen.tv als Moderator aktiv und interviewt Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. 2012 stiftete Lejeune der Hochschule für Philosophie in München einen neuen Lehrstuhl für Philosophie und Motivation. Warum sich Erich Lejeune in New York beim Marathon beinah mal am Zopf einer Blondine festgebissen hätte, am Ziel den Chip von einer älteren Dame hat abnehmen lassen und warum er sich auch durch seine Marathonerfolge ein Leben lang als Winner fühlt, erzählte er Andreas Butz in begeisternden Worten.

 

Andreas Butz: Schon im Jahr 2000 sind Sie Ihren ersten Marathon gelaufen. Ist die Lust am Laufen bis heute geblieben?
Erich Lejeune: Ich laufe immer noch, fünfmal pro Woche, aber keinen Marathon mehr. In New York, Stockholm und London bin ich Marathon gelaufen. Auch wenn ich das jetzt nicht mehr mache, ein Marathonläufer bleibt man sein ganzes Leben lang.
Andreas Butz: Warum gerade New York, Stockholm und London?
Erich Lejeune: New York ist für mich irgendwo die Königsklasse, diese unglaubliche Begeisterung. Sie wissen ja selbst, was es bedeutet, wenn Sie in New York laufen, die First Avenue oder irgendwo im jüdischen Teil, wenn einen dann die kleinen Kinder abklatschen. Also New York war für mich einfach ein Traum. Ich hatte damals auch einige Firmen dort. Und weil ich die Stadt liebe und sehr viel über den Marathon gehört habe, bin ich dort gelaufen. Sie sind sicher auch schon in New York gelaufen?
Andreas Butz: 2001 war ich angemeldet dann kam 9/11 dazwischen und ich verlor den Mut die Reise anzutreten. Aber genau in diesem Jahr muss der Marathon einer der schönsten Läufe überhaupt gewesen sein. Die Amerikaner haben gerade das Kommen der Ausländer sehr mit Applaus honoriert.
Erich Lejeune: Also, es ist unglaublich, New York müssen Sie unbedingt machen. Das ist einfach ein »must«. Die Leute an der Strecke, die tolle Bevölkerung in Harlem. Die liefen dann zum Teil mit und riefen »You can do it!« Das war echt super.
Andreas Butz: Die Zuschauer in New York haben mit ihren Zurufen den Motivationscoach Erich Lejeune motiviert?
Erich Lejeune: Ja, und wie! Auch beim Laufen habe ich immer wieder mit Leuten geredet, um mich im Kopf wieder fit zu machen. Habe Läufer gesehen und gedacht: »Mensch, der ist wirklich gut beieinander und läuft schneller als du.« Oder ich habe mich an dem schönen Pferdeschwanz einer Blondine hineingebissen, als der so hin und her ging, wie bei einer Uhr. Und, das werde ich nie vergessen, in diesem Lauf ist jemand an mir vorbei gezischt - ich hab nur so ein Quietschen gehört - der lief auf Metallstelzen an mir vorbei, hatte keine Beine. Und dann bin ich eine Weile neben ihm hergelaufen und habe gesagt: »Hör mal, was ist los bei dir? Ist ja Wahnsinn, was du da machst.« Sagte er: »Also, als ich noch meine Beine hatte, war ich ein fauler Hund. Und jetzt schau mich an, schau mich an«, und dann ist der abgezogen. Also, auch diese Bilder, die bleiben einem immer.
Andreas Butz: Der Marathonlauf als Motivationsspender.
Ja, Marathon ist für mich einer der besten Beweise, wie Motivation funktioniert. Das wissen wir beide als Coachs nur zu genau. Als erstes musst du ja ein Ziel haben. Bei mir war das der New York Marathon. Als zweites brauchst du eine optimistische Denke. Eine neue Studie ist gerade rausgekommen, dass über 80 Prozent der Deutschen täglich negativ denken. So funktioniert Marathonlaufen nicht. Vor meinem ersten Marathon habe ich mit einem guten Freund eine Wette gemacht. »Komm, lass uns Marathon laufen.« Zu dem Zeitpunkt habe ich nur ein bisschen Tennis gespielt. Und dann habe ich das natürlich auch vielen Freunden erzählt. Darunter gab es viele, die dann sagten: »Oh Mensch, das ist aber gefährlich«. Und als ich am Start in New York war, hatte ich einen Puls von 174. Ich war einfach so nervös. Das hat sich dann zwar wieder gefangen. Marathon ist wirklich eine Disziplin, die ohne Motivation nicht funktioniert.
Andreas Butz: Ein motivierendes Ziel, eine optimistische Denke und was noch braucht ein angehender Marathonläufer?
Erich Lejeune: Ich brauche halt einfach diesen Willen. Für mich war es so, ich bin mit dem Ziel angetreten unter 6 Stunden zu laufen. Vorher bin ja nie gelaufen, habe nur Tennis gespielt und bin einmal in der Woche ein Stündchen gelaufen. Sonst habe ich nichts gemacht. Im Training bin ich dann mal 30 Kilometer gelaufen und habe dann gewusst: 30 Kilometer schaffe ich. Selbst wenn ich beim Marathon die letzten 12 Kilometer nur noch gehe, ins Ziel kommst du. Und für unter 6 Stunden brauchst du eben einen unglaublichen Willen. Der Mann mit dem Hammer, der kann halt kommen. Dass es mal anfängt zu regnen oder hageln. Da steigen ja viele sofort aus. Die sehen nasse Schuhe und jammern. Die sind nicht ausreichend motiviert. Also, du brauchst einfach eine unglaubliche Disziplin. Und Motivation heißt ja: Ich habe einen genügend vollen Energietank. Das ist auch beim Marathon immer ein Spiel zwischen Kopf und Beinen und zwischen Bauch und Herz. Das erlebt man beim Marathonlaufen mehrmals und sagt: »Oh, jetzt höre ich auf. Und um Gotteswillen. Und ich schaffe es nicht mehr.« Und dann gibt es die Momente in denen man wieder Energie tankt. Bei mir, als ich die Musik im Central Park hörte. Da wusste ich, jetzt naht das Ziel. Das ist wie beim Reiten. Wenn du mit einem Pferd ausreitest, dann musst du es manchmal treiben. Aber wenn es weiß, jetzt komme ich zum Stall, dann läuft es noch schneller. Genauso ist es bei uns Menschen.
Andreas Butz: Ein sehr schönes Bild. Sie sprachen von dem genügend vollen Energietank und den verrückten Zuschauern in New York, die dabei helfen, dass dieser immer wieder aufgefüllt wird.
Erich Lejeune: Ein Freund, er war Chefredakteur eines Fernsehsenders, zehn Jahre jünger als ich und bereits Marathon erfahren, empfahl mir viel zu trinken. Das habe ich gemacht, wahrscheinlich zu viel und irgendwann musste ich auf die Toilette. Dann habe ich mir gedacht: »Hey, da musst du dir was einfallen lassen«. Schließlich bin ich zu einer Tankstelle gelaufen und habe den Tankwart angesprochen. »You know, I give you 10 bucks, you know. But do you have a privat toilette?« Zack, dann war ich schon drinnen und nach drei Minuten schon wieder on the road. Auch das hat mich motiviert. Und dann im jüdischen Viertel, da standen dann diese kleinen Kinder, super angezogen: »Sir, you can do it!« Wahnsinn, was das für eine Kraft gibt, diese Zusatzenergie. In unserer Akademie sprechen wir nicht mehr von Motivation, sondern von Zusatzenergie. Weil, motivieren muss man sich selber, aber die Energie fehlt manchmal dazu. Die bekommst du in New York auf der Straße geschenkt.
Andreas Butz: Also, wer in New York läuft, unbedingt 10 Dollar mitnehmen und die Kinder abklatschen.
Erich Lejeune: Ja, klar. Noch eine Geschichte. Zum Schluss liefen wir durch den Central Park und dann sagt ein Schwede neben mir »I give up!«. Sag ich: »Ey, wir haben nur noch zwei Meilen zum Ziel.« »No, I give up.« Sage ich: »Wie alt bist du?« Dann sagt er »38«, glaube ich. Dann sage ich: »Hey, I'm 56. And you give up? Come on, we rock the marathon.« Dann habe ich den mitgenommen. Und als ich nach 5:22 Stunden durchs Ziel gelaufen bin konnte ich mich nicht mehr runterbücken, um den Chip abzumachen. Als ich mich gerade auf ein kleines Höckerchen setzen will, kommt eine Dame und sagt: »Sir. I will do it. You are a winner.« Das sind die Dinge, die vergesse ich ein Leben lang nicht. Im Hotel angekommen, gehe ich mit der Medaille an die Bar im Waldorf-Astoria und sage: »Ich möchte gerne ein Bier haben.« Ich hatte mir zuvor schon eine Massage gebucht. Dann sagt der Barkeeper: »You don't have to pay. You are a winner!« Das war echt super. Das sind die Dinge, die man nicht vergisst. Wenn ich heute Mitarbeiter einstelle und in den Unterlagen lese, dass da Marathon drin steht, dann interessiert mich der Bewerber schon mehr, als wenn ich Badminton oder ähnliches lese.
Andreas Butz: Ja, dann wissen Sie, was er geleistet hat. Sie haben gemeinsame Bilder und gemeinsamen Gesprächsstoff.
Erich Lejeune: Und man kann nicht mogeln. Man muss selber laufen und kann die Marathonmedaille nicht bei Aldi kaufen.
Andreas Butz: Und letztendlich zählt nicht die Zeit, sondern es zählt, dass man den Marathon schafft hat. Und das war ein super Plädoyer für New York. Und wie ist es dann in Stockholm und London weiter gegangen?
Erich Lejeune: New York war 2000. Und ein Jahr drauf bin ich Stockholm gelaufen. Das war auch ein super Erlebnis, weil man da im Olympiastadion einläuft. Ansonsten ist Stockholm wegen der zwei Runden nicht so empfehlenswert. Auch die Sprache funktioniert wegen der vielen Äh- und Öh-Laute nicht so richtig zum Anfeuern. Und dann der Schock. Ich wollte in Stockholm natürlich schneller laufen als in New York. Am Ende war es eine 4:52 Stunden. Und als ich gerade in die zweite Runde gehen wollte, kam von hinten mit Blaulicht der Erste an mir vorbei. »Um Gotteswillen« habe ich mir gedacht. Der war also 3 Kilometer vor dem Finish und ich musste nochmal die gleiche Strecke laufen. Aber ich habe mich wieder gefangen und dann ging es gut. Als dritten und bisher letzten Marathon bin ich schließlich in London gelaufen. Danach hatte ich eine leichte Sehnenreizung im Knie und habe entschieden: »Okay, dreimal, jetzt reicht‘s.« Das waren meine Marathonerlebnisse.
Andreas Butz: Es gibt ja die unterschiedlichsten Motive, warum gerade auch Führungskräfte irgendwann zum Marathonlaufen kommen. Wenn Sie ein junger Nachwuchsmanager fragen würde: »Herr Lejeune, ist das ein Thema für mich? Sollte ich mich dem Thema Marathon mal beschäftigen?« Was würden Sie ihm dann mitgeben?
Erich Lejeune: In meinem engeren Kreis habe ich zumindest zwei Herren schon zum Marathonlaufen gebraucht. Der eine läuft jetzt im Oktober den München Marathon und der andere ist schon früher Marathon gelaufen. Es gibt viele Motive. Marathon ist ehrlich. Im Geschäft kann man mogeln, beim Marathon nicht. Marathon ist eine feste Strecke und die gelaufene Zeit das Ergebnis. Für Manager ist der Marathon auch deshalb gut, weil sie beim Laufen den Kopf frei bekommen und weil sie eine Anerkennung bekommen, nicht nur über Bonuszahlungen, sondern über Vorbildlichkeit. Chefs als Marathonläufer haben eine hohe Ansteckgefahr und können ihren Mitarbeitern sagen: »Hey, mach das mal. Es tut dir gut. Marathonlaufen gibt dir ein Gefühl, dass du ein Winner bist.« Und Marathon ist ein Einzelsport, wie das Leben. Ich habe einige Klienten, die haben in ihrem ersten Lebensdrittel einfach Schindluder getrieben, zu wenig Schlaf und zu viel geraucht, jeden Tag Party. Und irgendwann sitzen sie beim Arzt und der sagt »Wir haben jetzt ein onkologisches Thema mit dir.« So ist das Leben. Und beim Marathon ist es das gleiche, wenn ich nicht richtig fit bin, kann ich keinen Marathon laufen. Wenn ich aber merke, dass ich gewisse Reserven habe, dann ist es einfach schön. Dann kann ich sagen: »Ich schaffe das. Ich trete jetzt an. Ich habe mir ein Limit gesetzt, aber ich komme an.« Und dann läuft man den Marathon für eine Medaille. Man läuft nicht für Geld, sondern man läuft einfach für seine persönliche Zielgoldmedaille. Und mit der am Hals fühlt man sich unglaublich. Ich habe in meinem Leben ja wirklich Milliardenunternehmen aufgebaut, aber dieses Gefühl, wenn du durchs Ziel läufst, dieser emotionale Kick, den finde ich besser, wie wenn man Millionen verdient, ganz ehrlich. Gut, das kann man leicht sagen. Aber trotzdem, die Marathonmedaille als Anerkennung ist nicht vergleichbar mit materiellem Segen.
Andreas Butz: Am Anfang haben Sie den schönen Satz gesagt: »Marathonläufer bleibt man sein Leben lang«. Das heißt, Sie profitieren auch noch 10 Jahre nach dem letzten Marathon von diesen Erfahrungen?
Erich Lejeune: Ja, absolut. Das ist ein Teil meiner Vita. Schauen Sie, ich meine, es gibt Menschen, die in meinen Seminaren sagen: »Okay, was ist es schon, wenn ich pro Jahr zwei Kilo zunehme. Das ist halt mein Stress.« »Aber wie schaut es denn aus«, antworte ich dann, »wenn Sie auch die nächsten zehn Jahre jedes Jahr zwei Kilo zunehmen? Mit dem Marathonlaufen tun sie etwas für sich, erreichen etwas, was Sie selbst gemacht haben und was einfach gut ist für Ihre Lebensenergie.« Und drum glaube ich, dass Marathonläufer im Leben besser aufgestellt sind. Ich sage das in meinen Seminaren: »Schauen Sie, ich bin mit 56 Jahren meinen ersten Marathon gelaufen«. Und dann gucken die alle und sagen: »Hey. Ist der Typ das wirklich?« Dieses durchs Ziel laufen ist ein Teil meiner Vita. Ich spüre das und das ist echt, das habe ich gemacht. Und wenn Sie über 100 Marathons gelaufen sind, das ist unglaublich. Da würde ich Sie auch gerne mal, wenn Sie in München sind, zu mir in die Sendung holen.
Andreas Butz: Vielen Dank für die Einladung. Ja, sehr gerne. Zum Abschluss. Mit dem Marathon haben Sie abgeschlossen, Sie trainieren aber weiter. Was hält Sie heute am Laufen?
Erich Lejeune: Ja, das ist einfach die Bewegung, die Disziplin. Ich kombiniere, mal trainiere ich mit Crosstrainer, mal laufe ich. Mehrheitlich trainiere ich heute in meinem Fitnessstudio. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal nicht gelaufen bin. Und trainiere immer so 45 Minuten und spüre dann die Kraft, bin frei im Kopf und fühl mich irgendwie sauber. Es braucht Kontinuität, wenn man sich verändern möchte. Es reicht nicht zu sagen: »Jetzt steige ich in die Pedale und fahr mal 50 Kilometer Rad«, und dann fahre ich sechs Monate nicht mehr. Sondern es ist die Kontinuität die zählt. Und manchmal, wir sind ja alle Hundebesitzer, wir haben alle einen inneren Schweinehund, wenn ich den besiege und 45 Minuten laufe, dann fühle ich mich energiestark. Und das ist Motivation. Laufen ist die größte Motivation, die man für, sagen wir mal, 100 Euro leisten kann. Und die Turnschuhe passen in jedes Gepäck, die Zusatzenergie ist damit immer dabei und das habe ich auch. Ja, Laufen finde ich gut.
Andreas Butz: Vielen Dank, Herr Lejeune, für die vielen positiven Anregungen.
Erich Lejeune: Sehr gerne. Melden Sie sich, wenn Sie mal in München sind.