Dr. Rolf Wiswesser

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Dr. Rolf Wiswesser

Dr. Rolf Wiswesser
Dr. Rolf Wiswesser

Vorstand
AWD Holding AG

Dr. Rolf Wiswesser (geb. 1963), Vorstand der AWD Holding AG, einem der großen europäischen Finanzdienstleister, hätte eigentlich Berufssoldat werden sollen. Zumindest wenn es nach seinen Vorgesetzten bei der Bundeswehr gegangen wäre. Diese hatten das Multisporttalent des früheren Leichtathleten und Handballers erkannt und wollten, dass er sich für 12 Jahre verpflichtet und sich in der Sportkompanie zum Zehnkämpfer ausbilden lässt.

Auch heute läuft Rolf Wiswesser noch regelmäßig und ergänzt damit sein Fußballtraining. Bei den „Alten Herren“ in der Kreisliga Hannover Land spielt er regelmäßig Fußball und freut sich darüber, dass er durch seine Grundschnelligkeit auch mit Ende Vierzig noch die meisten Sprintduelle mit seinen Gegner gewinnt. Um dieses Talent zu unterstützen, beendet er jedes Lauftraining mit einem kurzen Sprintprogramm: Auf drei Steigerungsläufe á 50 Meter folgen drei 100-Meter-Sprints mit Vollkraft. „Ich brauche das Gefühl nach dem Training richtig kaputt zu sein“.

Im Jahr 2000 lief er in Hamburg seinen bisher einzigen Marathon. Nach 3:28 Stunden erreichte er erschöpft aber glücklich das Ziel. Auch heute engagiert Rolf Wiswesser sich für den Marathonsport, wenn auch in anderer Form. Mit über 500 Läufern stellte der AWD 2010 beim TUIfly Marathon in Hannover mit Abstand das größte Team. Dieses Projekt war ein großer Erfolg, sowohl für die Teambildung innerhalb der AWD als auch für den Vertrieb, wie der AWD-Vorstand im Interview verrät:

 

Andreas Butz: Dr. Wiswesser, 2010 sind Sie anlässlich des TUIfly Marathons in Hannover über 10 Kilometer gestartet und waren damit Teil einer großen AWD-Mannschaft. Wie haben Sie es geschafft das größte Team zu stellen?
Rolf Wiswesser: Wir haben den Impuls einer Gruppe von laufbegeisterten AWD-Beratern aufgenommen, die diese Idee an uns herangetragen haben. Mit professioneller Organisation war es dann leicht, im AWD ein großes Team von Mitarbeitern und Mandanten für eine Beteiligung zu gewinnen. Das Rahmenprogramm unterstützte die Attraktivität des Tages.
Andreas Butz: Was war die Haupttriebfeder für diese Aktion? Die Teambildung innerhalb des AWD Unternehmens oder die Pflege der Kundenbeziehungen?
Rolf Wiswesser: Sowohl als auch! Wer mit Kollegen in der Freizeit gemeinsame Aktivitäten entfaltet, erzielt auch in der beruflichen Zusammenarbeit deutlich bessere Ergebnisse. Und er ist loyal, weil der Zusammenhalt mit Kollegen die Freude an der Arbeit beflügelt. Wir wissen aber, dass wir dazu auf Mandaten angewiesen sind, die unsere Begleitung schätzen. Diesen Impuls wollten wir mit dem gemeinsamen Lauf unterstreichen.
Andreas Butz: Wird diese Aktion wiederholt?
Rolf Wiswesser: Solange sich ausreichend Laufbegeisterte finden, selbstverständlich ja!
Andreas Butz: Als Läufer und Leichtathlet sind Sie Einzelkämpfer, als Fußballer Team-Sportler. Von welchen Eigenschaften eines Sportlers profitieren gerade Kopfarbeiter im Beruf?
Rolf Wiswesser: Wer in der Dienstleistung erfolgreich sein will, sollte in seinen Fähigkeiten ausgewogen sein. Den erfolgreichen Läufer kennzeichnen in erster Linie Ausdauer, Zielstrebigkeit, Disziplin und die Bereitschaft, auch gegen den inneren Schweinehund die Oberhand zu behalten. Wenn sich dies paart mit den positiven Attributen aus dem Mannschaftssport wie Teamfähigkeit, sozialer Kompetenz und kommunikativer Begabung, dann ist die Symbiose perfekt.
Andreas Butz: Achten Sie daher bei Einstellungsgesprächen auch auf die sportliche Vita eines Bewerbers? Haben gar aktive Sportler im Berufsleben die größeren Chancen?
Rolf Wiswesser: Der Sportbegeisterte offenbart mit seiner Leidenschaft einige der oben genannten Eigenschaften, die für seine berufliche Eignung sehr hilfreich sind. Wer also sportliche Aktivitäten nicht in die Beurteilung einfließen lässt, übersieht wichtige Informationen. Ferner bin ich überzeugt: Aktivitäten im außerschulischen und außerberuflichen Umfeld sind für die Beurteilung eines potentiellen Mitarbeiters mindestens ebenso wichtig, wie Schulnoten oder Zeugnisse. Hier fällt dem Sport gerade bei jungen Menschen eine maßgebliche Rolle zu.
Andreas Butz: Was geschieht bei Ihnen ganz persönlich während des Lauftrainings? Laufen die ungelösten Aufgaben des Arbeitsalltages in Ihrem Hinterkopf mit oder schaffen Sie es völlig abzuspannen?
Rolf Wiswesser: Ob beim Lauf oder beim Mannschaftssport: ich schaffe Distanz zu den Themen des Alltags. Besonders gilt das, wenn mein Körper nach Verausgabung in den Erholungsmodus schaltet. Dann tanke ich Energie. Diese Energie und der Abstand, mit dem man die Herausforderungen des Alltags angehen kann, schaffen neue Kreativität und Impulse. Und nicht zu vergessen: die vielen Geschäftsessen lassen sich so viel besser „verdauen“.
Andreas Butz: Zum Abschluss: Nennen Sie mir bitte drei Gründe, warum ein Top-Manager die Erfahrung Marathon unbedingt zumindest einmal im Leben machen sollte?
Rolf Wiswesser:
  1. Die kontinuierliche Leistungssteigerung in einem konsequent gestalteten Trainingsplan begeistert.
  2. Die Euphorie nach einem absolvierten Marathon muss man erlebt haben! Die Erschöpfung auch!
  3. Wer den Marathon mit Freunden absolviert, hat Freunde fürs Leben und kann mitreden.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
Juni 2011