Dr. Markus Schramm

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Dr. Markus Schramm

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Dr. Markus Schramm

Bereichsleiter
BMW

Für Markus Schramm, geb. 1963 ist Laufen ein Baustein zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance. Bei einer 60- Stunden-Arbeitswoche sind die fünf bis sechs Trainingsläufe pro Woche wertvolle Auszeiten, die sich der BMW Manager für seine mentale und körperliche Erholung nimmt. Dazu steht er morgens um 5:20 Uhr auf, läuft bis zu zehn Kilometer, auf die dann ein weiteres Wohlfühlritual folgt: Mit einer Tasse Kaffee und der Tageszeitung lässt er den Lauf bei einem entspannenden Bad ausklingen. Um 8 Uhr beginnt dann sein Arbeitstag.

Markus Schramm verantwortet bei BMW die Bereiche After Sales und Mobilitätsdienstleistungen. Seine ersten sportlichen Meriten verdiente sich der Fußballer Schramm in der Jugend bei Alemania Aachen und später in der Saturday League in England. Bis ins Alter von 38 Jahren spielte Markus Schramm Fußball und dies als Torwart, weil er »zu faul zum Laufen war«. Nach Beendigung seiner Fußballer-Kariere begann Markus Schramm mit regelmäßigem Laufen, um das Gewicht wieder in den Griff zu bekommen und gegen die Rückenprobleme. Die Rückenschmerzen verschwanden und die Freude am Laufen wuchs.

Aus einer Laune heraus folgte 2004, zusammen mit seinem Bruder, in Köln der erste Marathon. Ein stimmungsvolles Erlebnis, das ihn prägte. »Ich laufe das ganze Jahr über als Ausgleich und einmal pro Jahr einen Marathon, weil das Erlebnis überwältigend ist.« Inzwischen ist der leidenschaftliche Hobbyläufer auf vier Kontinenten sieben Marathons gelaufen, darunter die von New York, Peking, Berlin und den Two Oceans Marathon in Südafrika. Und weitere sollen folgen, wie der sportliche BMW-Manager im Interview verriet:

 

Andreas Butz: Herr Schramm, nach dem Sie auf vier Kontinenten bereits Marathon gelaufen sind, da liegen die nächsten Pläne doch auf der Hand, oder? Welche Marathons könnten Ihnen noch gefallen?
Markus Schramm: Zunächst einmal plane ich dieses Jahr den Marathon in Sydney zu laufen. Die Erfahrungsberichte und Bilder im Internet versprechen auch hier auf dem 5. Kontinent ein tolles Erlebnis. Für 2013 nehme ich mir dann Rio de Janeiro vor und bereits jetzt surfe ich ab und zu im Netz über die Angebote in der Antarktis gefolgt von dem Nordpol Marathon als einzigem Marathon, der komplett auf dem gefrorenen Ozean stattfindet. Insofern ist mein mittelfristiges Ziel auf allen 7 Kontinenten und der Arktis gelaufen zu sein, aber auch darüber hinaus gibt es auf der ganzen Welt noch sehr schöne Marathon-Ziele.
Andreas Butz: Bereits als Fußballer waren Sie sportlich sehr erfolgreich. Tun sich ehemalige Leistungssportler auch in der Wirtschaft leichter?
Markus Schramm: Wenn man im Alter zwischen 15 und 18 Jahren viermal die Woche trainiert und einmal spielt, fördert das ganz gewiss Eigenschaften wie Disziplin, Kampfgeist und Siegeswille. Als Torwart lernt man aber auch was es heißt, ab und zu ganz alleine für Sieg oder Niederlage verantwortlich zu sein. Hier kann man sich nicht hinter einem Team verstecken und entwickelt zwangsläufig eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, um nach einer vermeidbaren Niederlage im nächsten Spiel wieder ein sicherer Rückhalt zu sein und ggf. den entscheidenden Elfmeter abzuwehren. Viel wichtiger aus meiner Sicht ist aber die richtige Balance zu finden. Nach dieser intensiven Sportzeit in der Jugend habe ich dann den Schwerpunkt auf das Studium und die berufliche Entwicklung gelegt, ohne die Freude am Sport zu verlieren.
Andreas Butz: Andere Top-Manager entdecken erst parallel zur Karriere den Sport, viele davon den Marathon. Was reizt gerade Führungskräfte am Marathonlaufen?
Markus Schramm: Hier kann ich natürlich nur für mich sprechen und da hat das Laufen eine sehr wichtige Ausgleichsfunktion. Gerade bei meinen Läufen am frühen Morgen bin ich mit mir und meinen Gedanken ganz alleine und das genieße ich sehr. Den Laufsport auszuüben ist aber auch sehr unkompliziert. Ich habe auf allen Geschäftsreisen meine Laufsachen dabei und es ist einfach ein tolles Erlebnis, z.B. morgens um den Kaiserpalast in Tokio oder den Kreml in Moskau zu laufen. Dabei ist es auch durchaus nicht so, dass ich nur an berufliche Dinge denke, ich habe auch gelernt manchmal an gar nichts zu denken - Entspannung pur - oder Privates im Vordergrund zu haben, denn auch hier bin ich – in der heutigen Zeit – durchaus als Marathonläufer unterwegs, denn ich bin seit 27 Jahren mehr als glücklich verheiratet und habe zwei tolle Kinder, auf die ich sehr stolz bin.
Andreas Butz: Wie beurteilen Sie als Langstreckenläufer, dass Firmenläufe mit Längen zwischen 5 und 6 Kilometern die Boom-Distanzen in der deutschen Laufszene sind?
Markus Schramm: Das finde ich sehr positiv, denn man erreicht damit sehr viele Leute, sich sportlich zu betätigen. Außerdem braucht man dazu kein Talent und auch als Teamevent haben solche Veranstaltungen sicherlich ihren Wert.
Andreas Butz: Trotz oder wegen eines 12-Stundentages ist Laufen für Sie ein Baustein Ihrer persönlichen Work-Life-Balance. Glauben Sie, dass man mit Laufen typischen Manager-Krankheiten wie Stress, Burnout und Herzerkrankungen effektiv vorbeugen kann?
Markus Schramm: Ich bin kein Arzt und kann dies somit nicht medizinisch beurteilen. Ich laufe nicht weil es gesund sein soll, sondern weil es Spaß macht und das ist für mich das Entscheidende. Wenn man im Beruf negativen Stress hat, dann kann dies sicherlich zu gesundheitlichen Problemen wie Burnout und Herzerkrankungen führen. Ich glaube aber nicht, dass man dies durch Laufen kompensieren kann. Hier muss man zur Lösung dann auch im Beruflichen ansetzen. Ohne Spaß am Laufen würde man dann nur auch negativen Stress in seiner Freizeit produzieren und das ist auf Dauer sicherlich nicht gesund.
Andreas Butz: Mit bis zu sechs Einheiten pro Woche trainieren Sie für einen Hobbyläufer recht viel. Wie gestalten Sie Ihr Training in der unmittelbaren Marathonvorbereitung?
Markus Schramm: Etwa vier Monate vor einem Marathon reduziere ich die Anzahl der Läufe auf maximal fünf pro Woche und gleichzeitig verlängere ich meinen Samstagslauf auf 20 Kilometer. Acht Wochen vor dem Lauf gehe ich dann auf vier Läufe und dehne den Samstagslauf auf 30 Kilometer aus. Gleichzeitig trinke ich konsequent keinen Tropfen Alkohol mehr. Daraus erwächst dann eine ganz besondere Motivation für die letzten und schwersten 10 Kilometer des Marathons, denn im Ziel empfängt mich dann meine Frau jedes Mal mit einem eisgekühlten Bier. Ob wir dann beim Arktis Marathon auf Glühwein umsteigen, haben wir noch nicht festgelegt.
Andreas Butz: Und wie gehen Sie dann Ihre Marathons an? Auf die Zeit fokussiert und leistungsorientiert oder eher entspannt als Sightseeing-Lauf?
Markus Schramm: Wie bereits erwähnt laufe ich den Marathon, weil es ein sehr schönes und überwältigendes Erlebnis ist. Beim Ultramarathon in Südafrika (56 Km) waren die ca. 6 Stunden nicht nur landschaftlich mit dem indischen und atlantischen Ozean ein absoluter Traum. Die ausländischen Teilnehmer (ca. 10% der Läufer) haben eine eigene Farbe der Startnummer und so wurde man permanent angesprochen, wo man herkommt, was man macht und wie toll doch das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball WM war etc. Wenn man da auf die Zeit fokussiert und leistungsorientiert unterwegs ist, würde man das alles nicht bewusst erleben können. Ich nehme den Marathon also eher entspannt als Erlebnis Lauf.
Andreas Butz: Herzlichen Dank für das Interview!
Januar, 2012