Dr. Karl-Thomas Neumann

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Dr. Karl-Thomas Neumann

Dr. Karl-Thomas Neumann

Vorstand
Volkswagen China Group

Und er läuft und läuft und läuft‘. Seitdem Dr. Karl-Thomas Neumann die Geschäfte der Volkswagen China Group als Vorstand verantwortet, wird auch bei VW in Peking gelaufen. Auslöser für die betriebsinterne Laufgruppe war eine Reise zum Macao Marathon im Dezember 2010. Ursprünglich wollte der Volkswagen-China-Chef alleine dort teilnehmen. Doch für den Wettkampf auf der schönen Halbinsel nahe Hongkong fanden sich schnell begeisterte Mitstreiter. Mit 25 Läuferinnen und Läufern reiste das Volkswagen-Team zum Halbmarathon und Marathon an, von denen viele das erste Mal über solch lange Distanzen liefen. Ein Erlebnis mit Nachwirkungen. Seither trifft sich die Volkswagen Laufgruppe jeden Samstagmorgen zum gemeinsamen Training.

»Beim Laufen kann ich sehr konstruktiv nachdenken. Das kenne ich vom Radfahren nicht.« Und so war es im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar ein glücklicher Umstand, dass bei ihm 2002 zwei große Aufgaben zusammen kamen. Zum einen wurde Dr. Karl-Thomas Neumann bei Volkswagen die Leitung der konzernweiten Elektrostrategie übertragen. Zum anderen hatte er sich für seinen ersten Marathon angemeldet, den Hamburg-Marathon. Nach dem er im Freundeskreis davon berichtet hatte, kam er aus dieser Sache nicht mehr raus. Gleich bei seiner Marathonpremiere blieb er mit 3:54 Stunden unter der Vier-Stundengrenze. Und durch die notwendig gewordenen langen Trainingsläufe erlebte er die entspannenden aber auch kreativen Auswirkungen, die ihn bis heute am Laufen halten.

»Heutzutage kann ich aus dem Stand heraus einen Marathon laufen. Ich brauche das aber nicht mehr für meine Motivation.« Vielmehr läuft Karl-Thomas Neumann weil es ihm gut tut, durch den benachbarten Park im Botschaftsviertel oder auch mal auf dem Laufband, wenn der Smog in Peking das Draußen-Laufen erschwert. Und so trifft der bekannte Slogan des Volkswagen-Kassenschlagers Käfer auch auf seinen China Vorstand zu: ‚Er läuft und läuft und läuft‘. Zusammen mit dem VWG Runners Club drehten Andreas Butz und Karl-Thomas Neumann einige Runden in Peking durch den Chaoyang Park.

 

Andreas Butz: Neben ihrer Marathonpremiere in Hamburg waren Sie noch in Berlin, Frankfurt, Prag, New York, Kopenhagen, Macao und Hongkong am Start. Welcher war ihr bisher eindrucksvollster Marathon? Und warum?
Karl-Thomas Neumann: Eigentlich war jeder Marathon ein Erlebnis. In Frankfurt etwa bin ich meine persönliche Bestzeit gelaufen, Hongkong ruft in mir eher die Gerüche der asiatischen Garküchen am Straßenrand wach. Eine ganz besondere Stimmung hatte für mich allerdings der Marathon in New York. Allein die Kulisse und die Vielfalt dieser Weltstadt war faszinierend. Und das erlebt man dann aus einem ganz besonderen Blickwinkel, wenn man beim Lauf durch die unterschiedlichsten Stadtteile kommt. Am Ziel dann noch die einzigartige Art der Amerikaner, die Läufer zu feiern. Das war einfach nur wunderbar und ist eine bleibende Erinnerung.
Andreas Butz: Vor Ihrem ersten Marathon haben Sie Ihren Freunden von ihrem sportlichen Vorhaben erzählt. Haben Sie sich bewusst unter Erwartungsdruck gesetzt?
Karl-Thomas Neumann: Ja, mir war das allerdings zunächst gar nicht so klar. Ich hatte schon immer mit dem Gedanken gespielt, mal an einem Marathon teilzunehmen. Und dann habe ich mich eben einfach in Hamburg angemeldet. Danach habe ich ziemlich vielen Leuten davon erzählt, so wie man begeistert von einem gerade gebuchten Urlaub berichtet. Erst mit der Zeit wurde mir dann klar, dass es nun kein Zurück mehr gab. Und so hatte ich mich erheblich unter Druck gesetzt – ich musste antreten.
Andreas Butz: Was geschieht mit ihnen beim Lauftraining? Entspannen Sie, schließen Sie bewusst mit der Arbeit ab oder gehen Sie sogar gezielt geschäftlichen Gedanken nach?
Karl-Thomas Neumann: Ich laufe vor allem, um mich zu entspannen. Der Rhythmus über eine längere Strecke lässt einen ja wunderbar abschalten. Allerdings gibt es auch immer wieder Phasen, in denen ich – eben ganz entspannt - über berufliche Fragen nachdenke. Beim Laufen kann ich sehr konstruktiv nachdenken, das kenne ich vom Radfahren nicht. So habe ich tatsächlich schon oft Lösungsansätze beim Laufen gefunden.
Andreas Butz: In Deutschlands Führungsetagen trifft man viele Marathonläufer. Wie sieht das in China aus? Und gibt es hier auch Firmenläufe, wie sie aktuell in Deutschland boomen?
Karl-Thomas Neumann: Unter den chinesischen Topmanagern sind mir persönlich keine Marathonläufer bekannt. Insgesamt kann man aber sagen, dass gerade durch die Olympischen Spiele in Peking das Bewusstsein für Sport in China stark zugenommen hat. So sieht man in den Pekinger Parks nicht nur am Wochenende Rollschuhfahrer und Dauerläufer trainieren. Bei der Volkswagen Group China gibt es zahlreiche Angebote in Sachen Betriebssport. Und hier hat sich vor gut einem halben Jahr ein Lauftreff gegründet, der jeden Samstag in einem der größten Parks Pekings trainiert. Die Läuferinnen und Läufer waren schon beim Macao-Marathon und auch beim Pekinger Marathon dabei. Mitte Mai gingen wieder rund 40 VGC-Läufer beim legendären „Great Wall Marathon“ an den Start - und durchs Ziel. Dabei liefen sogar die meisten - nämlich 21 VGC-Starter - den Halbmarathon und zwei sogar über die volle Distanz. Zehn absolvierten 10-Kilometer und sieben Läufer die 5-Km-Strecke.
Andreas Butz: Was können Führungskräfte von Marathonläufern lernen? Vom Training und vom Wettkampf?
Karl-Thomas Neumann: Da gibt es schon einige Parallelen. Mit Blick auf das Training gilt vor allem: Der Weg ist das Ziel. Gerade wer einen Marathon laufen will, braucht bei der Vorbereitung eine Menge Disziplin. Im Wettkampf kommt es dann eher auf den Durchhaltewillen an. Auch wenn es manchmal richtig weh tut: Aufgeben ist keine Alternative. Das gilt für jeden Marathon und für jeden Top-Job.
Andreas Butz: Mancher Unternehmer behauptet der Geschäfte wegen zu Golfen. Haben auch Sie schon Business-Angelegenheiten auf der Laufrunde anleiern können?
Karl-Thomas Neumann: Nein, für Geschäftsgespräche ist das intensive Laufen vielleicht doch etwas zu anstrengend. Da käme man schnell außer Atem. Allerdings laufe ich oft mit meinem Bürochef in Peking, der ein begeisterter Langstreckenläufer ist. Und dabei besprechen wir schon auch viele dienstliche Dinge.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
Juli 2011