Andreas Buhr

Schwitzen für Erfolg – Interview mit Andreas Buhr

Fotos: Norbert Wilhelmi
Andreas Buhr

Vorstand
go! Akademie AG

Andreas Buhr, heute einer der bekanntesten Trainer im Bereich Führung und Vertrieb, ist schon sein ganzes Leben lang Multisportler. Der Sportabiturient war früher Schwimmer, Leichtathlet und Fußballer. Heute spielt er im Sommer Golf, fährt im Winter Ski und läuft das ganze Jahr über. Wenn wenig Zeit bleibt, dann powert er sich auch mal nur für eine halbe Stunden auf einem Radergometer aus. Auf fünf bis sechs Stunden Sport pro Woche kommt er regelmäßig. „Ohne Golf“, wie er betont. Trotz gutem Handicap von 19,3 bereits in seinem erst dritten Golf-Jahr, ist für ihn der Golf-Sport eher mentales Training.

„Ich laufe nicht mehr so viel wie früher. Nach 8 Marathons fehlt mir für weitere augenblicklich der Reiz. Aber einen Halbmarathon könnte ich jederzeit unter 2 Stunden laufen“. Ein einstelliges Handicap reizt Andreas Buhr heute mehr als eine erneute Bestzeit über die Marathondistanz. Und deshalb läuft der Unternehmer und Speaker vor allem, weil es ihm gut tut: In der Mittagspause, während seiner Seminare oder vor wichtigen Entscheidungen.

„Schon oft bin ich mit einer dicken Nuss in den Wald gelaufen und mit einer geknackten wieder raus gekommen“. Seine Besten Ideen für Bücher, Vorträge und Akquisitionsthemen sind der „Umsatz-Maschine“ beim Laufen gekommen. „Vieles was heute fester Bestandteil der go! Akademie ist, ist gedanklich im Wald entstanden.“

Den Kick zum Laufen bekam Andreas Buhr ursprünglich über das Thema Marathon. Aus einer Bierlaune heraus begeisterten sich anfänglich 13 Freunde spontan für den New York Marathon, von denen am Ende jedoch nur fünf den Sprüchen auch Trainingsfleiß folgen ließen und im November 1998 den Marathon auch finishten. Noch zweimal musste Andreas Buhr wiederkommen, um sein ursprüngliches Ziel ‚New York City Marathon unter 4 Stunden‘ tatsächlich abzuschließen. Mit 3:55 Stunden war es schließlich 2002 so weit.

Andreas Butz führte das Interview mit Andreas Buhr einen Tag vor seiner Abreise zur NSA Convention 2011, der Jahrestagung der National Speakers Assoziation, dem größten Treffen der amerikanischen und internationalen Speaker-Branche.

 

Andreas Butz: Lieber Andreas, Du hast morgen einen an sich schon anstrengenden Tag vor Dir, mit Langstreckenflug nach Kalifornien und 9 Stunden Zeitverschiebung. Warum planst Du dennoch vor Deiner Abreise im heimatlichen Wald Laufen zu gehen?
Andreas Buhr: Ich lasse damit den Teil hier in Düsseldorf, der mich bis zuletzt beschäftigt hat, mache eine „Pause durch das Laufen“ und bereite mich mental auf das Kommende vor. Außerdem bin ich entspannter und körperlich leistungsfähiger, wenn ich noch mal im Wald war.
Andreas Butz: Gibt es weitere Situationen außerhalb des üblichen Trainings, auf die Du Dich bewusst mit Laufen vorbereitest?
Andreas Buhr: Ist der Körper in Bewegung, ist auch der Geist. Ich komme auf bessere Ideen, bin kreativer und kann Entscheidungen durchspielen. Das gilt grundsätzlich.
Andreas Butz: Beim Laufen bist Du gerne kreativ. Gibt es besondere Techniken, wie Du Dir Deine Gedankenblitze über die Dusche hinaus merkst?
Andreas Buhr: Ich sammele für jede Idee einen „Anker“ auf. Das können kleine Steine oder Äste sein. Ich verbinde diese mit einer Geschichte und schreibe direkt alles auf, wenn ich vom Laufen zurück bin. Das klappt bei mir ganz gut.
Andreas Butz: Wenn Du jemanden kennenlernen möchtest, sagtest Du mir im Vorgespräch, dann treibst Du mit ihm Sport. Wie meinst Du das?
Andreas Buhr: Ich beobachte gern, wie sich Menschen im Sport verhalten, also wenn sie ganz bei sich sind. Das gibt mir Aufschluss über Charakterzüge. Ist jemand belastbar, geht dahin, wo es auch mal „weh“ tut? Kann er oder sie kämpfen? Was erzählen die Menschen, wenn sie unterwegs beim Laufen ins Reden kommen? Alles interessant und ich habe herausgefunden, dass es Parallelen zum Tagesgeschäft gibt. Fast immer!
Andreas Butz: Du musstest dreimal in New York an den Start gehen, um Dein ursprüngliches Ziel „Finish sub 4 h“ zu erreichen. Diese Konsequenz, Begonnenes auch durchzuziehen, ist sicher typisch für Dich. Können Marathonläufer generell von ihrem Training, den Misserfolgen und natürlich auch Erfolgen beruflich profitieren?
Andreas Buhr: Ein Charakter ist ein Charakter. Egal, welche Schuhe getragen werden. Klar, wenn jemand es zulässt, dass er profitieren will, dann wird er durch das Laufen auch für andere Teile des Lebens Schlussfolgerungen ziehen können.
Andreas Butz: Du bist Experte für Führung und Vertrieb. Zunächst die Frage an den Führungsexperten: Können sich Manager durch Laufen auch als Führungskräfte weiter entwickeln?
Andreas Buhr: Das Laufen wirft mich auf mich selbst zurück. Allein, ohne Schnickschnack, ohne Statussymbole. Unplugged! Wer diesen authentischen Teil auch als Führungskraft lebt und zeigt, hat mehr Glaubwürdigkeit, Berechenbarkeit, Echtheit und Klarheit und ist damit für andere bestimmt noch besser zu ertragen.
Andreas Butz: Und nun an den Vertriebsexperten: Fallen Dir Gelegenheiten ein, bei denen das Laufen auch gut für den Verkaufserfolg sein kann?
Andreas Buhr: Wir bauen dort, wo es passt, immer auch Laufeinheiten in unser Tagesgeschäft ein und schaffen durch den „Metro-Marathon“ in Düsseldorf auch einen konkreten Anlass, jedes Jahr unsere Kunden zur Teilnahme zu motivieren. Eine Staffel ist ein guter erster Schritt. Über einen Kooperationspartner in der go! Akademie schaffen wir das schon ganz gut. Und ganz nebenbei trainieren wir dadurch auch Einstellung, Motivation und Durchhaltevermögen. Alles Attribute, die im Vertrieb eine conditio sine qua non sind.
Andreas Butz: Zum Abschluss und mit etwas Abstand betrachtet: Als junger Mann bist Du auf der Bahn 10,9 Sekunden über 100 Meter gelaufen. Mit 43 Jahren über die Marathondistanz 3:55 Stunden durch die Straßen von New York Marathon. Und heute läufst Du auch, um mit 51 Jahren Deinen Körperfettanteil bei 12 Prozent zu halten. Welche Deiner sportlichen Leistungen hat für Dich heute einen größeren Wert?
Andreas Buhr: Ich schaue heute meinen Söhnen beim „Fliegen“ zu…und genieße!
Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
Juli 2011