Professor Dr. Ulrich Lehner
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Foto: Catrin Moritz



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Foto: Andre Zelck



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Schwitzen für Erfolg – Interview mit Professor Dr. Ulrich Lehner
»Wenn der Chef läuft, dann hat das Strahlwirkung«. Professor Dr. Ulrich Lehner, vielen als früherer Henkel-Chef bekannt und heute Aufsichtsrat bedeutender Unternehmen, u.a. der Telekom und bei Porsche, läuft zwar in erster Linie für sich. Doch ist er sich seiner Vorbildfunktion als Sportler sehr bewusst. So war er schon einige Male Schlussläufer einer Lehrlings-Staffel beim Marathon in Düsseldorf, dem Stammsitz von Henkel und trainierte auch im Vorfeld zusammen mit den Auszubildenden. Einmal glaubte er sich beim Marathon schon von seiner Staffel verlassen, erzählt er in einer Anekdote, weil er länger als ursprünglich kalkuliert warten musste. Doch schließlich kam ein Mädchen traurig an und entschuldigte sich fast unter Tränen für die lange Laufzeit. Mit den Worten »Wir sind doch nicht hier um zu gewinnen, sondern um Spaß zu haben« nahm Ulrich Lehner sie tröstend in den Arm.

Meist erlaubt ihm sein Terminkalender nur an den Wochenenden zu laufen. Dann nimmt Ulrich Lehner schon mal »einige Probleme mit auf die Reise«, um sie auf seinen 5- bis 10-Kilometerrunden gedanklich zu lösen. Nur in den letzten drei Monaten einer Marathonvorbereitung, inzwischen blickt er auf 10 Marathonläufe zurück, trägt er rund um seine geschäftlichen auch 500 Trainingskilometer in seinem Kalender ein. Diese müssen auf 12 Wochen verteilt reichen, um ihn fit für den Marathon zu machen, so wie letztmalig 2006 in New York.
Herr Professor Lehner, bereits 1986 sind Sie in Köln rund um das Müngersdorfer Stadion Ihren ersten Marathon gelaufen. Vergleichen Sie doch bitte mal diesen Lauf mit den heutigen City-Marathons.
Der Marathon 1986 war noch kein richtiger Volkslauf, es gab auch nur wenig Zuschauer. Es ging fünfmal holprig um das Stadion. Damals fing es gerade erst an mit dem Langstreckenlauf.
Den Berlin-Marathon am 30. September 1990, drei Tage vor der deutschen Wiedervereinigung, bezeichnen Sie heute als Ihren bisher eindrucksvollsten. Was hat ihn dazu gemacht?
Es war der politische Hintergrund der Wiedervereinigung. Das Brandenburger Tor war wieder für den Lauf geöffnet, für alle war es das erste Mal in Ostberlin. Die Strecken im Osten waren fast menschenleer. Und im Westen war Party.
Was treibt Sie auch heute noch an zu laufen? Der Gesundheitsgedanke, die Freude an der Bewegung oder die nächste sportliche Herausforderung?
Es ist vor allem die nächste (sportliche) Herausforderung die Fitness verlangt und damit Vorbereitung. Aber auch die reine Freude an der Bewegung, insbesondere in der Natur, die sich im Jahreszeitenverlauf verändert. Deshalb wird die gleiche Trainingsstrecke auch nie langweilig.
Sogenannte Business-Runs und Team-Staffeln sind die neue Boom-Disziplin in der deutschen Laufszene, der J.P. Morgen Firmenlauf in Frankfurt mit über 70.000 Teilnehmern ist sogar der größte Laufwettbewerb der Welt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Ich erinnere mich an die Zeit - wir liefen mit einem Henkel-Team mit - als es in noch keine 10.000 Läufer waren. Hier kommt Freude am Laufen, an der Teambildung und am Event zusammen. Viele laufen bei einem Firmenlauf das erste Mal und behalten die Freude. Ein konkreter Termin und die mit Laufzusage für ein Team und der Teamrückhalt sind für viele dann der Start einer Läuferkarriere.
Wissenschaftliche Studien belegen die positiven Auswirkungen des Laufens auf die allgemeine Leistungsfähigkeit. Welche zusätzlichen Benefits bringt die Erfahrung Marathon?
Es ist die Erfahrung der Disziplin in der Zielverfolgung, die Erfahrung des Durchhaltens und der Stolz es getan zu haben. Aber auch die Erkenntnis des Umgangs mit der persönlichen Grenze.
Welche Parallelen erkennen Sie zwischen dem Marathontraining und unternehmerischen Prozessen?
Jede lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Ein Projekt muss geplanten sein, man muss seine Fähigkeiten kennen die Durchgangszeiten müssen stimmen (wie die Quartalsergebnisse).
Zum Abschluss: Warum würden Sie nicht sportlich aktiven Manager empfehlen noch heute mit dem Laufen zu beginnen?
Es macht Freude und schafft die Fitnessbasis für viele andere Aktivitäten.
Andreas Butz: Vielen Dank für das Interview
Juni 2011